Der französisch-niederländische Luftfahrtkonzern Air France-KLM will seine Expansion fortsetzen und könnte in diesem Jahr noch zwei weitere Fluggesellschaften in die Gruppe aufnehmen. Das sagte Konzernchef Ben Smith gegenüber Reportern.
Der Konzern hofft auf die behördliche Genehmigung für die Aufstockung seiner Beteiligung an der skandinavischen Fluggesellschaft SAS zur Mehrheitsbeteiligung in der zweiten Jahreshälfte. Zudem arbeite man "aktiv" an der Privatisierung der portugiesischen Tap Air Portugal, erklärte Smith.
Mehrheitsübernahme bei SAS geplant
Air France-KLM hatte bereits angekündigt, die Mehrheit an SAS übernehmen zu wollen. Die Airline-Gruppe stockt ihren bereits bestehenden Anteil von 19,9 Prozent auf 60,5 Prozent auf. Konkret übernimmt das Unternehmen die Anteile von Castlelake sowie Lind Invest.
Der Preis wird abhängig von der finanziellen Entwicklung von SAS bei Abschluss der Transaktion festgesetzt. Die Transaktion soll nach Erhalt der notwendigen behördlichen Genehmigungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden. Der dänische Staat wird weiterhin 26,4 Prozent und seine Sitze im Verwaltungsrat behalten.
Mit der Transaktion erhofft sich Air France-KLM eine bessere Wettbewerbsposition zu den großen Konkurrenten wie Lufthansa Group oder IAG. Die Airline-Gruppe hatte sich bereits beim Einstieg 2023 eine solche Option gesichert. Das Unternehmen hatte die Anteile an den Skandinaviern übernommen, als die insolvente SAS in einem Gläubigerschutzverfahren steckte.
Air France-KLM und SAS arbeiten bereits seit Sommer 2024 zusammen. SAS betreibt 138 Flugzeuge und beförderte im vergangenen Jahr mehr als 25 Millionen Passagiere. Dabei erzielte die Airline einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. SAS ist im September 2024 der Luftfahrtallianz Skyteam rund um Air France-KLM beigetreten – vorher war sie Star-Alliance-Mitglied.
Gescheiterter Ita-Einstieg als Rückschlag
Bei der italienischen Ita Airways hatte Air France-KLM ursprünglich den Zuschlag für eine Beteiligung erhalten, musste sich letztlich aber der Lufthansa Group geschlagen geben. Die Lufthansa stieg im Januar 2025 mit 41 Prozent bei der italienischen Staatsairline ein und zahlte dafür 325 Millionen Euro.
Mit dem italienischen Wirtschafts- und Finanzministerium ist vereinbart, dass Lufthansa in zwei weiteren Schritten das Unternehmen bis zum Jahr 2033 vollständig übernehmen kann. Für die Gesamtübernahme der Alitalia-Nachfolgerin wird eine Summe von 830 Millionen Euro gehandelt.
Die EU-Kommission begleitete die Übernahme eng und machte umfangreiche Auflagen, um den Wettbewerb zu sichern. Das betrifft Europaflüge ebenso wie Interkontinentalverbindungen. Start- und Landerechte in Mailand und Rom mussten abgegeben werden.
Außerdem musste Lufthansa Abkommen mit ihren Konkurrenten Air France-KLM und IAG schließen, um deren Passagiere aus Italien unter Vorzugsbedingungen zu den Drehkreuzen Paris und London zu fliegen.
Kampf um Tap Air Portugal
Bei der Privatisierung von Tap Air Portugal hat Air France-KLM nun eine neue Chance. Portugal hatte die lange verzögerte Privatisierung der Fluggesellschaft im Juli 2025 neu gestartet. Das Land will 44,9 Prozent der Anteile an eine Airline verkaufen, die globale Größe und Wettbewerbsfähigkeit bringen könnte. Weitere fünf Prozent sollen Tap-Mitarbeitern angeboten werden. Air France-KLM hatte bereits umfassende Pläne für einen Einstieg präsentiert.
Die drei großen europäischen Airlines – Lufthansa, Air France-KLM und IAG – hatten bereits im vergangenen Jahr Gespräche mit der Regierung über Tap geführt. Air France-KLM bestätigte nach der Ankündigung ihr Interesse und erklärte, sie werde "an diesem Prozess teilnehmen, sobald alle Details veröffentlicht sind". IAG plant bei einer Übernahme den Ausbau des Hubs Lissabon.
Die attraktivsten Assets von Tap sind die Verbindungen nach Brasilien, zu portugiesischsprachigen afrikanischen Ländern und in die USA vom Drehkreuz Lissabon aus. Die Regierung will diese Verbindungen erhalten und sogar ausbauen.
Tap hatte 2021 während der Corona-Pandemie einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro verzeichnet. Dies führte zu einer umfassenden Umstrukturierung und staatlichen Rettung. In Folge schrieb die Airline jedoch wieder schwarze Zahlen.
Konsolidierung in Europa schreitet voran
Mit den geplanten Übernahmen schreitet die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrtindustrie weiter voran. Neben Air France-KLM hat sich etwa die Lufthansa zuletzt Anteile an der italienischen Ita sowie der lettischen Air Baltic gesichert. Turkish Airlines hingegen steigt bei Air Europa ein.