Air Baltic bittet ihre Anleihegläubiger um die Zustimmung zu einer Überbrückungsfinanzierung von 225 Millionen Euro für kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse. Damit will die Airline ihre Finanzen stabilisieren und das Risiko eines Zahlungsausfalls abwenden, teilte die Fluggesellschaft mit.
"Dieser Plan soll die Airline langfristig stärken", hieß es in der Mitteilung. Der reguläre Flugplan werde unterdessen normal fortgeführt. Der Vorschlag steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen Gläubigerbeschlüsse und weiterer Genehmigungen.
Daneben schlug Air Baltic ein dauerhaftes Finanzierungspaket vor, das laut Unternehmen einen Teil der ausstehenden Anleihen von 380 Millionen Euro in Eigenkapital umwandeln soll. Der verbleibende Teil der Anleihen soll durch neue, reduzierte Schulden von bis zu 125 Millionen Euro ersetzt werden. Auch weitere, nicht näher benannte Verbindlichkeiten der Airline sollen in Eigenkapital umgewandelt werden.
Flotte schrumpft
Nach dem überarbeiteten Geschäftsplan soll die reine Airbus-A220-300-Flotte bis Ende 2026 von aktuell 54 auf 36 Maschinen schrumpfen und anschließend bis 2031 schrittweise wieder auf 40 Flugzeuge wachsen.
Der bisherige Plan hatte bis 2030 ein Wachstum auf 100 Flugzeuge vorgesehen. Durch einen "effizienteren Betrieb" erwartet die Airline künftig jährliche Einsparungen von 45 Millionen Euro.
Langfristig plant Air Baltic zudem eine "Rekapitalisierung". Diese soll zu 225 Millionen Euro aus neuer Fremdfinanzierung sowie zu 100 Millionen Euro aus neuem Eigenkapital bestehen.
Die Lufthansa hält zehn Prozent an der Fluggesellschaft. Die Ratingagentur Fitch hatte im Juli gegenüber Reuters erklärt, die Kapitalstruktur von Air Baltic mit ihren geleasten Flugzeugen und der "sehr teuren" bis 2029 laufenden Anleihe sei nicht nachhaltig. Die finanziellen Probleme der Airline zeigen, wie die seit Beginn des Iran-Kriegs gestiegenen Kosten strukturelle Probleme bei manchen Fluggesellschaften offengelegt haben.
CEO äußert sich zu Netzwerkstrategie
Air-Baltic-Chef Erno Hildén erläuterte die Eckpunkte der neuen Geschäftsstrategie in einem Linkedin-Beitrag. Riga bleibe das primäre Drehkreuz der Airline, die übrigen Basen sollten das Netzwerk künftig durch ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ergänzen. Taktische und saisonale ACMI-Flüge für andere Airlines sollen zudem die Flottenauslastung verbessern und das saisonale Ungleichgewicht zwischen Sommer- und Winterverkehr verringern.
Ein Umbau dieser Größenordnung wirke sich darauf aus, "wie wir unsere Arbeit und Ressourcen organisieren", schrieb Hildén. Dieser Prozess solle "sorgfältig und transparent" gestaltet werden. Es handle sich um einen langfristigen Plan, der Schritt für Schritt umgesetzt werde; weitere Details würden mitgeteilt, sobald Entscheidungen getroffen seien.
Hildén dankte den Beschäftigten für ihren "Beitrag und Einsatz in diesen herausfordernden Zeiten" sowie den Stakeholdern für ihren "konstruktiven Umgang" mit dem Prozess.
Gläubigertreffen war bereits gescheitert
Air Baltic wollte sich bei einem Treffen am 3. August eine kurzfristige Finanzierung von den Anleihegläubigern sichern. Das Treffen wurde jedoch verschoben, weil die Gläubiger nicht erschienen waren. Ein neuer Termin wurde für den 17. August angesetzt – drei Tage nach einer am 14. August fälligen Zinszahlung, wie der lettische öffentlich-rechtliche Sender "LSM" berichtete. Hildén bestätigte den Termin für die vertagte Gläubigerversammlung auf Linkedin.
Lettlands Regierung verhandelt nach Angaben von Ministerpräsident Andris Kulbergs mit einem strategischen Investor. Der neue Geschäftsplan sei nötig, um das Unternehmen "auf eine nachhaltige Grundlage" zu stellen, sagte Kulbergs im Juli gegenüber Reuters.