Die lettische Regierung verhandelt mit einem strategischen Investor für die angeschlagene, staatlich kontrollierte Air Baltic. Das sagte Ministerpräsident Andris Kulbergs der Nachrichtenagentur "Reuters". Die Fluggesellschaft versucht damit, ihre Finanzen zu stabilisieren und einen Zahlungsausfall zu vermeiden.
Die Äußerungen fallen in die Zeit vor einem Treffen am 3. August, bei dem Air Baltic – an der die Lufthansa Group eine Minderheitsbeteiligung hält – von Anleihegläubigern eine kurzfristige Finanzierung erbitten will.
"Wir sprechen mit einem seriösen Partner, ja, das kann ich bestätigen", sagte Kulbergs in einem ausführlichen Interview. Den Namen des Unternehmens nannte er nicht. "Es ist eine Frage dieses Sommers, das umzusetzen [...]. Wir müssen die notwendigen Schritte durchlaufen, um das Unternehmen reif für einen strategischen Investor zu machen [...]. Wenn das gelingt, wird Air Baltic fliegen", sagte er.
Lettlands wichtigste Bedingung für einen möglichen Investor sei der Erhalt des Air-Baltic-Drehkreuzes am Flughafen Riga, wo die Fluggesellschaft die größte Anbieterin ist, sagte Kulbergs. "Ich denke, das ist ein sehr gutes Angebot für den Investor", fügte er hinzu. Fragen zur möglichen Beteiligungshöhe eines Investors wies er zurück.
Ambitionierte Wachstumsziele
Air Baltic nannte in ihrer Ankündigung zum Treffen am 3. August keine Summe, wie viel Kapital das Unternehmen benötigt. Die Ratingagentur Fitch erklärte vergangene Woche, Air Baltic habe einen kurzfristigen Kredit der lettischen Regierung über 30 Millionen Euro, der im August fällig wird, bislang nicht zurückgezahlt. Zudem sei es im Juni nicht gelungen, ein für 2029 fälligen besicherten Anleihen vorgeschriebenes Reservekonto wieder aufzufüllen.
Die finanziellen Belastungen bei Air Baltic zeigen, wie steigende Kosten seit Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran strukturelle Probleme bei einigen Fluggesellschaften offengelegt haben – und wie dies Anleger zunehmend an deren Fähigkeit zweifeln lässt, ihre Schuldenverpflichtungen zu erfüllen.
Die Fluggesellschaft betreibt eine Flotte von 55 Maschinen des Typs Airbus A220-300 und will die Zahl bis 2030 nahezu verdoppeln. Wegen Verzögerungen bei Triebwerkslieferungen, die zahlreiche Maschinen am Boden gehalten haben, verschob Air Baltic wiederholt Pläne für einen Börsengang.
Das Management werde in der kommenden Woche einen neuen Geschäftsplan mit Restrukturierungsmaßnahmen vorstellen, um das Unternehmen auf eine tragfähige Grundlage zu stellen, sagte Kulbergs. "Der Plan erfordert eine Vielzahl an Komponenten. Eine davon ist Kapital, die andere der strategische Investor."
Air Baltics Wachstumsziele seien unrealistisch geworden, nachdem das Unternehmen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine den Zugang zum russischen und ukrainischen Markt verloren habe, sagte Kulbergs. Auch die Corona-Pandemie und die Nahost-Krise hätten das Geschäft belastet.