Small Planet soll für symbolischen Preis verkauft werden

Exklusiv 12.10.2018 - 14:00 0 Kommentare

Small Planet Deutschland könnte an die Berliner Zeitfracht verkauft werden. Der Entwurf für den Kaufvertrag zeigt: Der Carrier ist günstig zu haben. Doch im Hintergrund lauern Millionenforderungen.

Eine A320 der Small Planet Airlines. - © © AirTeamImages.com - Dirk Grothe

Eine A320 der Small Planet Airlines. © AirTeamImages.com /Dirk Grothe

Die insolvente Small Planet Deutschland gibt es offenbar zum Schnäppchenpreis: Die Airline verlangt im Verkaufsprozess mit der Berliner Zeitfracht-Gruppe lediglich einen symbolischen Kaufpreis und die Übernahme aller rund 400 Beschäftigten. Dies geht aus dem Vertragsentwurf zwischen der Airline und der Logistik-Holding hervor.

Demnach könnte sich der Preis jedoch schnell um einen Millionenbetrag erhöhen. Denn der Käufer Zeitfracht soll bis zum Inkrafttreten des Insolvenzplans (voraussichtlich im Februar) für etwaige Betriebsverluste bis zu einer bestimmten Höhe haften, heißt es in dem Kontrakt. Die beteiligten Parteien bestätigen zwar, dass sie einen Kaufvertrag abstimmen, wollen sich auf Anfrage aber nicht zu Inhalten äußern.

Die deutsche Small Planet meldete vor drei Wochen Insolvenz in Eigenregie an. Dem Carrier waren mehrere technische Probleme, die im Sommer zu langen Verzögerungen inklusive Ausgleichszahlungen an Passagiere führten, zum Verhängnis geworden.

Zeitfracht pocht auf Sicherheitszusagen

Zeitfracht will nach airliners.de-Informationen einen Teil der Small-Planet-Flotte im Wet-Lease für einen anderen Carrier betreiben. Von daher ist im Vertragsentwurf festgeschrieben, dass "der Käufer beabsichtigt, bis zu vier der bestehenden sechs Flugzeug-Leasing-Verträge beizubehalten". Dabei geht es um die A320-Jets der Flotte.

Und genau an dem Punkt steht auf einmal der ganze Deal auf der Kippe: Denn das Zeitfracht-Management verlangt von Small Planet Deutschland eine Zusage, dass die Genehmigung (Camo) für die A320-Flugzeuge in den nächsten drei Monaten nicht erlischt.

Das ist ein sicherheitsrelevantes Thema und wir werden da keinerlei Kompromisse machen, weil wir die Sicherheit der Passagiere niemals auch nur im Geringsten gefährden werden.

E-Mail des Zeitfracht-Managements an Small Planet Deutschland

Zeitfracht betreibt im Konzern aktuell lediglich Maschinen der Typen BAe146 und Embraer - ein eigenes Airbus-Camo zu bekommen, an dem letztlich das AOC hängt, verlangt viel Zeit. Zeitfracht hätte also die Maschinen von Small Planet Deutschland, könnte diese aber erst einmal nicht in die Luft bringen.

Kollage: © airliners.de, AirTeamImages.com, Fotolia.de, EASA, LBA Lesen Sie auch: Genehmigungen in der Luftfahrt Basiswissen Luftrecht (1)

Da das Camo für die A320-Jets von Small Planet Deutschland an der litauischen Mutter hängt, müsste das Airline-Management theoretisch die schriftliche Zusage machen, dass der Carrier in Osteuropa auf absehbare Zeit nicht in die Insolvenz rutscht. In dieser Woche hatte Small Planet mitgeteilt, dass die polnische Division Investoren sucht.

Zeitplan geregelt

Würden sich beide Vertragspartner einig, regelt der Kontrakt bereits den Zeitplan für die Abwicklung der Small Planet. So soll am 1. Dezember das Insolvenzverfahren ordentlich eröffnet werden und die Gläubigerversammlung bereits Mitte Januar die Übertragung der Aktien an Zeitfracht beschließen. Das Geschäft soll zeitgleich zum Inkrafttreten des Insolvenzplans im Februar abgeschlossen sein.

Von: cs
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