Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat am Mittwoch einen von der Lufthansa Cityline vorgelegten Sozialplan für die Beschäftigten der stillgelegten Regionalairline scharf kritisiert. Nach Darstellung der Gewerkschaft sieht der Plan keine Geldleistungen vor, die die Betroffenen entschädigen oder unterstützen.
"Für die Beschäftigten ist das ein Schlag ins Gesicht", sagte VC-Vorständin Anja Granvogl, die selbst als Pilotin bei der Cityline arbeitet. Ein solcher "Sozialplan Null" werde Mitarbeitern nicht gerecht, von denen manche mehr als 20 Jahre bei der Regionalairline tätig gewesen seien. Die Cityline habe als hundertprozentige Tochter zum Erfolg der Kernmarke beigetragen.
Die VC erklärte, die Personalvertretung habe schon vor der Stilllegung im April versucht, einen Sozialplan auszuhandeln, und sei über Monate vertröstet worden. Es entstehe der Eindruck, dass die Gespräche verschleppt und die Belegschaft mit der Aussicht auf eine nur vorübergehende Stilllegung hingehalten worden seien. Die Gewerkschaft verwies außerdem darauf, dass der Konzern in den vergangenen Jahren Milliardengewinne erzielt und die Boni des Managements vollständig ausgezahlt habe.
Lufthansa reagierte gelassen. Der Sozialplan für Lufthansa Cityline werde derzeit sowohl auf betrieblicher als auch auf tariflicher Ebene vertraulich verhandelt, sagte ein Sprecher auf airliners.de-Anfrage. Bei Lufthansa Cityline gelte derweil bereits ein Tarifvertrag zum Arbeitsplatzschutz für das Cockpitpersonal, der bereits umfassende Absicherungen vorsehe und "alle wesentlichen Elemente eines Sozialplans" enthalte, unter anderem ein zweijähriger Kündigungsschutz bei voller Bezahlung.
Cityline seit April am Boden
Die Lufthansa hatte den Flugbetrieb der Cityline Mitte April eingestellt und dies mit der Streikwelle sowie gestiegenen Kerosinpreisen begründet. Ursprünglich hatte der Konzern die Regionaltochter erst zu einem späteren Zeitpunkt schließen wollen. Nahezu alle Beschäftigten in Cockpit und Kabine wurden widerruflich freigestellt, viele von ihnen bei vollem Gehalt.
Für die rund 1300 Beschäftigten hatten Arbeitgeber und Personalvertretung im April über einen betrieblichen Sozialplan verhandelt. Nach einem Entwurf sollte er unter anderem Abfindungen regeln. Vorrangig sollten die Betroffenen jedoch Stellen bei anderen Airlines des Konzerns erhalten. VC und Ufo hatten zuvor auch für einen tariflichen Sozialplan gestreikt.
Inzwischen verhandelt die Lufthansa über den Verkauf aller 23 Maschinen der früheren Cityline-Flotte. Das Zubringernetz an den Drehkreuzen Frankfurt und München übernimmt die Tochter Lufthansa City Airlines, deren Cockpit- und Kabinenpersonal über Verdi tarifiert ist.