Durch die Schließung der Cityline seit Samstag ist bei der Lufthansa eine Lücke von rund 150 Flügen am Tag entstanden. Entsprechende Angaben der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo zum Umfang des Flugprogramms bestätigte das Unternehmen am Dienstag. Nun steuert der Konzern dagegen.
"Die Lufthansa Group arbeitet bereits an einem neuen kontinentalen Sommerflugplan, um möglichst viele Verbindungen und Destinationen weiterhin anzubieten", teilte das Unternehmen jetzt den Reisebüros mit. Der neue Plan soll zum 1. Juni in Kraft treten.
Nicht bestätigten Angaben zufolge sollen die zwölf Airbus A319, oder zumindest ein Teil davon, der Cityline zur Lufthansa-Kernmarke wechseln – was die Kapazitätsplanung für den neuen Sommerflugplan erleichtern würde. Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns steht dazu aus.
Statt einzelne Strecken isoliert zu ersetzen, strickt die Lufthansa Group ihr kontinentales Netz neu – unter Einbezug aller Töchter. Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Air Dolomiti und Lufthansa selbst passen Frequenzen und Kapazitäten an.
Viele der bislang von Cityline nonstop bedienten Städtepaare bleiben dabei über Umstiege an anderen Konzernhubs verbunden: Eine Verbindung wie München–Marseille lässt sich künftig etwa über Brüssel mit Brussels Airlines, über Wien mit Austrian Airlines oder über Frankfurt mit Lufthansa realisieren.
Der abrupte Stopp des Flugbetriebs hat damit zumindest kurzfristig spürbare Lücken im europäischen Zubringernetz der Lufthansa Group hinterlassen. VC und Ufo hatten die Zubringerfluglinie und die Kernmarke Lufthansa zuvor eine Woche lang mit Streiks lahmgelegt.
Bis Ende Mai: Kurzfristige Ausfälle und Streichungen
Bis zum Inkrafttreten des neuen Flugplans kommt es allerdings punktuell zu Verwerfungen. Vier Frankfurt-Verbindungen hat die Lufthansa Group bis einschließlich 31. Mai offiziell eingestellt: die Strecken nach Bydgoszcz, Rzeszów, Cork und Stavanger. Betroffene Passagiere wurden nach Konzernangaben soweit möglich auf alternative Routen umgebucht.
Das Gesamtbild ist derweil deutlich unübersichtlicher: In Buchungsmasken werden für Mai teilweise noch Flüge unter dem Cityline-Kürzel geführt, die in anderen Systemen bereits als gestrichen ausgewiesen werden. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Konzern auf vielen Strecken vor allem Frequenzen neu sortiert, statt Verbindungen ganz wegfallen zu lassen.
Das innerdeutsche Netz hält Lufthansa dabei aktuell ebenfalls aufrecht. Nach Münster/Osnabrück sowie nach Dresden etwa flogen in den vergangenen Tagen Lufthansa-Flugzeuge der A320-Familie. Andere Routen wurden zum Teil ausgedünnt. Auf etlichen Verbindungen flog Cityline ohnehin nicht exklusiv, sondern nur auf einigen Frequenzen. Wieder andere wurden bereits an den Cityline-Nachfolger City Airlines übergeben.
Die folgende Tabelle zeigt den Stand der betroffenen Strecken:
| Kategorie | Betroffene Strecken | Situation | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Nonstop suspendiert – kein Ersatz absehbar | MUC–Ljubljana, MUC–Rijeka, MUC–Tivat, MUC–Cluj-Napoca, MUC–Sibiu, MUC–Oradea, MUC–Marseille, MUC–Prag, MUC–Warschau | Nonstop-Verbindungen bis auf Weiteres gestrichen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fortsetzung durch Lufthansa bestätigt | MUC–Münster/Osnabrück, MUC–Dresden | Lufthansa setzt auf MUC–Dresden bereits A320-Familie ein, teils A321 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Offiziell eingestellt bis 31. Mai | FRA–Bydgoszcz, FRA–Rzeszów, FRA–Cork, FRA–Stavanger | Ab 1. Juni wieder im Programm geplant | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fortgeführt – reduzierte Frequenz | MUC–Dubrovnik, MUC–Split, MUC–Pula, MUC–Zadar, MUC–Zürich, MUC–Stuttgart | Lufthansa-Mainline übernimmt Restfrequenzen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bereits vor dem 18. April übergeben | FRA–Manchester, FRA–Berlin, FRA–Düsseldorf, FRA–Málaga, FRA–Valencia; MUC–Amsterdam, MUC–Madrid, MUC–Budapest, MUC–Helsinki, MUC–Kopenhagen u. a. | Lufthansa City Airlines fliegt bereits | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Selektiv durch Air Dolomiti | FRA–Ljubljana, MUC–Zürich (teilw.), FRA–Luxemburg | Konzernpartnerin übernimmt einzelne Verbindungen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Stand: 20.04.2026 Quelle: Lufthansa, Flughäfen, Medien | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Grounding trifft Südosteuropa am härtesten
Die eigentliche Bruchlinie liegt bei Strecken, die Cityline zuletzt exklusiv nonstop bediente. Die Verbindung München–Ljubljana etwa zählte zu den häufiger beflogenen Cityline-Routen – für Mai standen nach Auswertungen von Cirium 14 Wochenfrequenzen im Plan.
Der Flughafenbetreiber in Ljubljana erklärte gegenüber dem Branchendienst "Ex-YU Aviation", keinerlei Informationen von Lufthansa über Nachfolgelösungen erhalten zu haben. In globalen Buchungssystemen sind die Nonstop-Verbindungen München–Ljubljana und München–Belgrad derzeit auf null gesetzt.
Über Umstieg bleiben die meisten Destinationen jedoch im Konzern erreichbar. Um beim Beispiel Ljubljana zu bleiben: Ab Frankfurt fliegen Lufthansa und Air Baltic (als Wetlease-Partner) weiterhin nach Ljubljana.
Belgrad ist über Frankfurt, Zürich oder Wien buchbar. Cluj-Napoca bleibt über Zürich im Netz – Swiss setzt dort Air Baltic und Helvetic als Wetlease-Partner ein. Für Sibiu und Oradea bestehen ebenfalls Umsteigesoptionen über andere Konzernhubs. Rijeka ist ab Frankfurt mit zwei bis vier Wochenfrequenzen erreichbar. Tivat wird ab Ende Mai mit Austrian Airlines wieder an die Hubs der Lufthansa Group angebunden sein.
Frachtnetz vorübergehend lahmgelegt
Mit der Kündigung des Wetlease-Vertrags am 16. April und dem operativen Ende zwei Tage später entfielen nach Konzernangaben 27 aktive Flugzeuge aus dem Streckenprogramm. Laut "CH-Aviation" flogen zuletzt sogar 31 Maschinen für Lufthansa: 16 Canadair Regional Jets vom Typ CRJ900, zwölf Airbus A319 sowie drei Airbus A321-Frachter (P2F), die für Lufthansa Cargo im Einsatz waren.
Direkte Konsequenzen hat die Stilllegung auch für Lufthansa Cargo: Die vier A321-Frachter, die Cityline im Wetlease für den Konzern operierte, sind vorerst außer Betrieb. Der Konzern sucht nach eigenen Angaben nach einem Ersatzbetreiber, um Same-Day- und E-Commerce-Lösungen innerhalb Europas wieder aufnehmen zu können.
Unter anderem stehen wohl die neue City Airlines, aber auch Brussels Airlines zur Debatte. Letztere war bereits für andere Konzern-Airlines im Wet-Lease unterwegs und die aktuelle Chefin Dorothea von Boxberg war zuvor CEO bei der Lufthansa Cargo. Dass die Lufthansa selbst die Maschinen betreiben wird, gilt als ausgeschlossen, da die Piloten hier noch teurer sind als bei der Cityline. Als Verdi-Tarifierte Airline betriebt einzig noch die Discover A320 im Konzern. Als Airline mit Basis in Frankfurt käme sie also auch in Frage.
Gewerkschaften hatten den Beschluss zur beschleunigten Abwicklung der Fluglinie mit zwei Dutzend Maschinen und rund 1300 Beschäftigten scharf kritisiert. Ursprünglich war ein schrittweises Verkleinern der defizitären Airline bis zu einer Einstellung des Betriebs 2028 geplant. Begonnen hatte der Prozess mit der Gründung der ebenfalls auf Zubringer ausgerichteten City Airlines, die im Sommer 2024 startete. Sie ist dank niedrigerer Tarife und höherer Einsatzzeiten produktiver. VC und UFO rieten von einem Wechsel der Cityliner dorthin wegen der schlechteren Konditionen ab, deshalb gingen nur wenige Mitarbeitende von Cityline zu City Airlines.
Cockpit- und Kabinenbeschäftigte von Cityline sollen jetzt nach dem Willen der Lufthansa möglichst Jobs bei anderen Fluggesellschaften im Konzern finden. Es wird jedoch auch ein betrieblicher Sozialplan von Personalvertretung und Arbeitgeber mit Konditionen wie Abfindungen zum Ausscheiden ausgehandelt, wie UFO und Lufthansa erklärten.