Trotz des zähen Tarifkonflikts bei der Lufthansa geben sich die in der Vereinigung Cockpit (VC) organisierten Piloten weiterhin kämpferisch. Bei einer Mitgliederbefragung hätten 70 Prozent der Teilnehmer angegeben, dass sie einem Streikaufruf der Gewerkschaft im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen ohne Zögern folgen würden. Das teilte die Gewerkschaft mit.
"Die hohe Streikbereitschaft zeigt die große Geschlossenheit unserer Mitglieder und die breite Unterstützung für den eingeschlagenen tarifpolitischen Kurs", erklärte dazu VC-Vorstandsmitglied Oliver Löwe. Tarifliches Topthema bleibe die betriebliche Altersvorsorge.
Die VC hat die Piloten der Lufthansa Kernmarke im laufenden Jahr bereits an sieben Tagen zum Streik aufgerufen. Vor wenigen Tagen gaben beide Seiten bekannt, eine umfassende Schlichtung für Tariffragen bei Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa Cityline und Eurowings vereinbart zu haben. Darüber hinaus soll es eine übergreifende Mediation geben, um Konflikte dauerhaft beizulegen. Während der Schlichtung gilt eine Friedenspflicht, ein Arbeitskampf wäre dann nicht möglich.
Die von der Vereinigung Cockpit in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zeigt zugleich wachsende Unzufriedenheit unter den Piloten. Zwei Drittel der Teilnehmer zeigten sich mit ihrer aktuellen beruflichen Situation zwar grundsätzlich zufrieden, doch fast jeder Zweite (47 Prozent) sieht die eigene berufliche Situation durch die Entwicklung der vergangenen Jahre verschlechtert. Nur noch 24 Prozent würden den Beruf des Piloten heute weiterempfehlen, während zwei Drittel (66 Prozent) eher davon abraten.
"Wenn nur noch jeder vierte Pilot den eigenen Beruf weiterempfehlen würde, ist das ein Warnsignal – nicht nur für Lufthansa, sondern für die gesamte Branche", sagte Löwe. Vor allem Beschäftigte ab 45 Jahren beobachteten Verschlechterungen. Geklagt werde über mangelnde Wertschätzung und einen respektlosen Umgang des Managements mit den Flugzeuglenkern, über Arbeitsbedingungen und die Dienstplangestaltung. Das Thema Bezahlung wurde dabei nicht erwähnt.
Sparkurs und Streit um Altersvorsorge
Die Gehälter der rund 5000 Piloten reichen von knapp 89.000 Euro Fixgehalt zum Einstieg bis zu 280.000 Euro im Jahr für langjährige Flugkapitäne.
Die Kernmarke Lufthansa steckt seit zwei Jahren im Umbau, nachdem die Airline Verluste eingeflogen hatte. Seither wird um Einsparungen und ein Absenken der Arbeitskosten gerungen, um die Profitabilität wieder zu steigern. Die Premiumairline Lufthansa Classic wird verkleinert, indem neue Flugbetriebe mit niedrigerem Tarifniveau aufgebaut werden.
Der Tarifstreit um eine verbesserte Altersvorsorge, die das Unternehmen strikt ablehnte, war im Frühjahr mit sieben Streiktagen eskaliert. VC und Lufthansa vereinbarten kürzlich, darüber sowie über die Vergütung in die Schlichtung mit externen Vermittlern zu gehen.