Tarifstreit bei der Lufthansa geht in die Schlichtung, © DPA/Hannes P Albert
Piloten gehen durch eine Abflughalle am Frankfurter Flughafen. : Drei Piloten in dunkelblauen Uniformen gehen mit Rollkoffern durch eine Abflughalle. Im Hintergrund ist der Flughafenbetrieb unscharf zu sehen, die Szene ist hell beleuchtet. © DPA / Hannes P Albert
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Passagiere der Lufthansa müssen vorerst keine weiteren Streiks der Lufthansa-Piloten fürchten. Wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Montagabend in einem Rundschreiben an ihre Mitglieder mitteilte, seien für die Kernmarke Lufthansa, für Lufthansa Cargo, für Cityline und für den Ferienflieger Eurowings Schlichtungsverfahren vereinbart worden. Die Lufthansa bestätigte die Einigung am Dienstag.

Die VC fordert für die knapp 5000 Piloten höhere Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Die Lufthansa lehnte das bislang ab. Beim Kabinenpersonal geht es zudem um einen neuen Manteltarifvertrag, den die Flugbegleitergewerkschaft Ufo durchsetzen will.

"Wir sehen in dem vereinbarten Verfahren sowohl Chancen als auch Risiken", erklärte der VC-Vorstand in dem Schreiben. Es gehe bei der Mediation auch über "weitere Themen unserer Tarifbeziehungen", erklärte die VC. Die Vereinbarung sehe Ausstiegsmöglichkeiten für beide Seiten vor, falls sich die angestrebten Ziele nicht erreichen ließen.

Niggemann nennt Details zu Schlichtung und Mediation

Die Lufthansa wollte sich zunächst wegen der vereinbarten Vertraulichkeit nicht zu weiteren Details äußern. Am Dienstag erläuterte Konzernvorstand Michael Niggemann in einem intern veröffentlichten Interview dennoch weitere Hintergründe der Einigung.

Wie Niggemann erläuterte, seien drei getrennte Schlichtungsverfahren vorgesehen: eines für die Kernmarke Lufthansa und Lufthansa Cargo, eines für Eurowings und eines für Cityline. Bei der Kernmarke und der Frachttochter gehe es demnach um die betriebliche Altersversorgung, die Übergangsversorgung und den Vergütungstarifvertrag. Bei Eurowings stehe die betriebliche Altersversorgung im Mittelpunkt, bei Cityline die Themen im Zusammenhang mit der Betriebsstilllegung.

Neben den Schlichtungen soll laut Niggemann eine umfassende Mediation vor allem die Zukunftsfähigkeit der Lufthansa Classic sichern. "Ein weiteres Schrumpfen ist nicht in unserem gemeinsamen Interesse", sagte er. Im Gegenzug wolle der Konzern die Zahl der Flugzeuge bei Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo während des Prozesses stabil halten und die Freistellungsvereinbarung mit der VC wieder in Kraft setzen. Die Gewerkschaft habe ihrerseits eine Friedenspflicht zugesagt.

Eine feste Frist gebe es nicht. "Wir wollen uns die Zeit nehmen, die wir gemeinsam brauchen, um zu guten Lösungen zu kommen", sagte Niggemann. Entscheidend sei nicht das Datum, sondern dass die Zeit für tragfähige Ergebnisse genutzt werde.

Führt die Mediation bei Lufthansa Classic und Lufthansa Cargo nicht zu einer Gesamteinigung, soll laut Niggemann der Schlichtungsvorschlag zum Ergebnis werden. Bei Eurowings und Cityline entscheiden die Parteien am Ende der Schlichtung selbst, ob sie deren Vorschlag annehmen.

"Wir müssen wieder stärker miteinander statt übereinander sprechen", sagte Niggemann und nannte als Ziel eine belastbare Grundlage für die Zusammenarbeit der kommenden Jahre. Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo und Eurowings müssten jeweils wirtschaftlich stark und wettbewerbsfähig sein, um langfristig sichere Arbeitsplätze bieten zu können, sagte er weiter.

Sechs Streiktage in Folge im April

Im Streit über die Altersvorsorge der Piloten und den Manteltarifvertrag waren die Arbeitskämpfe im April eskaliert. Die VC hatte ihre Mitglieder in diesem Jahr bereits an sieben Tagen zum Streik aufgerufen. Zusammen mit Ufo legte sie den Flugbetrieb der Lufthansa mit abwechselnden Streiks sechs Tage in Folge größtenteils lahm. Darunter litten Hunderttausende Passagiere.

Besonders erbost hatten das Management die Streiktage rund um den Festakt zum 100. Jahrestag der Gründung der ersten Lufthansa. Der Vorstand beschloss danach, die bereits geplante Schließung der Regionalgesellschaft Cityline vorzuziehen.

Stilllegung der Cityline im April

Im April wurde die Regionalgesellschaft Cityline mit rund 1300 Beschäftigten von einem Tag auf den anderen stillgelegt und rund 20.000 Flüge für den Sommer gestrichen. Andere Verbindungen wurden teils auf die neue, fast namensgleiche Gesellschaft Lufthansa City Airlines verlagert.

Auch Ufo sucht eigenen Weg zur Einigung

Auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo bemüht sich um eine Lösung im Streit um den Manteltarifvertrag. Sie berichtete in der vergangenen Woche von einem neuen Anlauf am Verhandlungstisch. Nach einem moderierten Workshop mit dem Arbeitgeber im Juli halte sie es grundsätzlich für möglich, ohne weitere Eskalation zu einer Einigung zu kommen, erklärte die Gewerkschaft. Es gebe aber weiterhin "unzählige Stellen, an denen wir aus der Kurve fliegen können".

Die Kosten für die Streiks summierten sich im ersten Halbjahr auf fast 200 Millionen Euro. Zusammen mit den durch den Krieg im Nahen Osten gestiegenen Kerosinpreisen belasteten sie auch das Ergebnis der Lufthansa Group. Das operative Ergebnis des Konzerns brach im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte auf 383 Millionen Euro ein.

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Ralph Beisel Serie Ground Handling, © airliners.de/ADV/KI
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Whiskey im Flugzeug., © airliners.de/KI
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Blick auf das Seitenleitwerk und die Tragfläche mit dem charakteristischen Winglet des Airbus' A220 von Air Baltic., © Air Baltic
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