Ryanair hat ihr Flugangebot für den kommenden Sommer an verschiedenen Flughäfen in Deutschland mitunter deutlich reduziert oder sogar gestrichen. Als Grund führt die Airline immer wieder die hohen Standortkosten in Deutschland an.
RDC-Aviation hat nun die durchschnittlichen Ryanair-Flugpreise an deutschen Flughäfen sowie die Steuern und Gebühren analysiert.
Die Daten zeigen zum einen den durchschnittlichen Oneway-Ticketpreis von Ryanair ohne staatliche Steuern und Gebühren sowie ohne Zusatzleistungen. Zudem werden Luftverkehrsteuer und die Luftsicherheitsgebühren ausgewiesen. Diese Daten werden von Apex und Airportcharges.com erhoben.
Nicht in den Daten enthalten sind die jeweiligen Entgelte, die die einzelnen Flughäfen erheben.
Auffällig ist dabei, dass die Flughäfen Dortmund, Leipzig/Halle und Dresden die drei Flughäfen mit den niedrigsten Gebühren nach Steuern sind. Die staatlichen Steuern und Gebühren machen an diesen drei Flughäfen etwa 50 Prozent des Flugpreises aus, teilte Iain Smith, Global Account Director bei RDC, mit.
In der Konsequenz für die Flughäfen Dortmund, Dresden und Leipzig/Halle vermutet Smith jedoch: "Die Ticketpreise werden aufgrund des fehlenden Wettbewerbs steigen." Aber auch für übrige Standorte von Ryanair in Deutschland erwartet Smith: "Die Steuern könnte um 50 Prozent steigen, sodass weitere Kürzungen zu erwarten sind."
Kostengefüge im Vergleich mit Ticketerlösen von Ryanair an in Deutschland angeflogenen Flughäfen. © RDC Aviation
Auffällig ist, dass die Steuern und Sicherheitsgebühren im wesentlichen gleich sind, während Ryanair es offenbar schafft, in verschiedenen Märkten deutlich unterschiedliche Durchschnittspreise zu verlangen.
"Der Flughafen Münster/Osnabrück befindet sich laut Analyse am oberen Ende des Spektrums mit dem höchsten durchschnittlichen Nettotarif von 71 Euro", führt Smith weiter aus. Die staatlichen Steuern und Gebühren hätten hier lediglich einen Anteil von 26 Prozent. Die Ticketerlöse von Ryanair im Vergleich zu den Kosten an Flughäfen in Deutschland zeigt diese Detail-Tabelle:
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Ryanair-Streichungen korrelieren nicht immer
Ryanair hatte im Zuge zu hoher Standortkosten beschlossen, die Flughäfen Dortmund, Leipzig/Halle und Dresden ab Sommer 2025 gänzlich aus dem Programm zu nehmen.
Zudem hatte der irische Low-Cost-Carrier angekündigt, das Flugangebot in Hamburg und Berlin zu reduzieren – in Hamburg um 60 Prozent, in Berlin um 20 Prozent.
Die Grafik von RDC-Aviation zeigt jedoch, dass diese beiden Flughäfen die Standorte mit den zweit- und dritthöchsten Ticketpreisen in Deutschland sind. Die Steuern und Gebühren fallen dort prozentual weniger ins Gewicht.
Allerdings beinhaltet die Grafik keine Aussagen zu den sonstigen Flughafenentgelten. Eine geplante Erhöhung an dieser Stelle war in Hamburg auch ausschlaggebend für den Rückzug anderer Airlines.
Warum Ryanair ausgerechnet an diesen beiden Flughäfen das Programm so drastisch reduziert, wollte die Airline auf Nachfrage von airliners.de nicht offiziell beantworten.
Eine Antwort darauf hat jedoch Smith gegenüber airliners.de mitgeteilt: "Die Leistung in Dortmund, Leipzig und Dresden war auf den meisten Strecken schlecht, sodass es am einfachsten und kostengünstigsten war, den gesamten Betrieb einzustellen."
Wichtig anzumerken an dieser Stelle ist nochmal, dass die ausgewiesenen Ticketpreise die reinen Flugpreise sind. Zusatzleistungen für Hand- oder Aufgabegepäck sind beispielsweise nicht eingerechnet. Vor allem über den Verkauf von Zusatzleistungen generiert Ryanair jedoch ihre Gewinne,.
Ryanair leidet zudem weiterhin unter den Problemen bei Boeing. Diese führen zu massiven Lieferverzögerungen, weshalb die Airline mit einer signifikanten Reduzierung des Verkehrswachstums im nächsten Jahr rechnet. Flugzeuge werden nun dort eingesetzt, wo die Airline die höchsten Yields erzielen kann, sprich wo das Verhältnis von Standortkosten und Ticketpreisen am besten ausfällt.