Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) hat Bund und Länder aufgefordert, Public Service Obligations (PSO) für wichtige Verbindungen auszuschreiben. Hohe staatliche Standortkosten und gestiegene Kerosinpreise ließen einzelne Strecken unrentabel werden, teilte der Verband mit. Besonders betroffen seien kleine und mittelgroße Flughäfen.
Nach Angaben des BDF verdienen Fluggesellschaften am Standort Deutschland im mehrjährigen Durchschnitt nur drei Euro pro Fluggast. An zahlreichen deutschen Airports seien die staatlichen Standortkosten dagegen seit Beginn der Corona-Pandemie um 15 Euro je Passagier gestiegen. Viele früher wirtschaftliche Strecken seien dadurch für die Airlines defizitär geworden.
Als Beispiele nannte der Verband Bremen, Dresden sowie Münster/Osnabrück. Der Flughafen Bremen habe zeitweise die Verbindung nach Frankfurt verloren, für die beiden anderen Standorte sei der Zugang zu internationalen Hubs gefährdet.
Der BDF erläuterte, mit einer PSO könnten Länder oder Regionen relevante Strecken ausschreiben, die sich nicht aus eigener Kraft tragen. Die Airline verpflichte sich im Gegenzug zur staatlichen Förderung, ein festgelegtes Flugangebot auf der Strecke aufrechtzuerhalten. Damit Regionen den Anschluss nicht verlieren und Deutschland bei der Erholung des Verkehrs nicht weiter hinter andere europäische Länder zurückfällt, müssten Regionen wie Staat solche Ausschreibungen prüfen. Das gelte dort, wo sich wichtige Strecken ohne Hilfe nicht rechneten.
Zum Vergleich verwies der BDF auf andere europäische Länder. Nach Zahlen der EU-Kommission mit Stand März 2024 bestehen in der EU 165 PSO-Verbindungen. Allein auf Frankreich entfallen 37, auf Griechenland 28 und auf Spanien 23. In Deutschland gebe es dagegen keine einzige PSO, als letzte geförderte Inlandsstrecken nannte der Verband Erfurt–München und Frankfurt–Hof.
Ostdeutsche Länder reagieren zurückhaltend
Zurückhaltend reagierten bislang mehrere ostdeutsche Länder auf die Idee staatlich abgesicherter Zubringerflüge. Thüringen hält PSO-Flüge ab Erfurt-Weimar zu den Drehkreuzen der Lufthansa für wenig aussichtsreich. Wegen der besseren Bahn- und Straßenverbindungen kämen Frankfurt und München als Ziele wohl nicht infrage, teilte das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur "Luftraum Ost" mit. Grundsätzlich bleibe eine PSO-Verbindung aus Sicht Thüringens aber möglich. Derzeit gebe es keine konkreten Überlegungen, und Haushaltsmittel seien dafür nicht vorhanden. Die frühere Strecke von Erfurt-Weimar nach München war im Dezember 2011 eingestellt worden.
Die Lufthansa hatte PSO im September in ihrem Politikbrief ins Spiel gebracht. Das Instrument könne wirtschaftlich gefährdete Zubringerstrecken zu den Drehkreuzen vorübergehend absichern, falls die Bundesregierung die Standortkosten nicht spürbar senke. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatten sich zuvor gegenüber "Luftraum Ost" skeptisch geäußert. Das sächsische Finanzministerium halte das Instrument für den dauerhaften Erhalt von Flugverbindungen für "eher ungeeignet", solange der regionale Nutzen die Fördermittel nicht deutlich übersteige.
Mecklenburg-Vorpommern hatte zwischen 2002 und 2009 Verbindungen von Rostock-Laage nach München und zeitweise nach Köln/Bonn mit im Schnitt rund 1,7 Millionen Euro jährlich bezuschusst. Die Auslastung lag nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bei etwa 48 beziehungsweise 32 Prozent. Das Ministerium nannte die Förderung deshalb "nicht zielführend", eine neue PSO-Route ab Rostock-Laage sei nicht geplant.