Der indische Flydubai-Kapitän Smit Machchhar hat aus dem Krankenhaus heraus geschildert, wie er nach dem Angriff seines Copiloten schwer verletzt die Cockpittür öffnete. "Ich habe versucht, mein eigenes Leben zu retten, aber ich wusste, dass ich all diese Menschen nicht sterben lassen konnte", sagte Machchhar in einem Videotelefonat mit Indiens Regierungschef Narendra Modi.
Als er verletzt auf dem Boden im Cockpit gelegen habe, habe er realisiert, dass das Flugzeug im Sinkflug sei. "Ich habe mir gesagt, die Tür ist direkt da, mach sie einfach auf", sagte Machchhar. "Ich wurde selbst dann noch geschlagen, aber ich öffnete einfach die Tür und alle kamen herein."
Modi veröffentlichte einen knapp zehnminütigen Mitschnitt des Gesprächs in den sozialen Medien. Darin ist Machchhar im Krankenbett mit einem Schlauch in der Nase und Verbänden an Kopf und Händen zu sehen. Er wischte sich während seiner Schilderung Tränen ab.
Modi lobte den Mut des Piloten. Dessen Geistesgegenwart habe Leben gerettet und den Ruf indischer Piloten bewahrt, sagte der Regierungschef. Angesichts größter Gefahr und trotz schwerer Verletzungen habe er immensen Mut und unerschütterliche Entschlossenheit gezeigt, das Leben anderer zu schützen.
Zur Luftfahrt erst mit 19 Jahren
Machchhar war vergleichsweise spät zur Luftfahrt gekommen. "Anders als bei vielen anderen Piloten heute war die Luftfahrt kein Kindheitstraum", hatte er 2025 in einem Interview auf einem Youtube-Kanal gesagt. "Sie kam erst viel später in mein Leben."
Der aus Mumbai stammende Machchhar hatte sich nach der Schule zunächst für Textiltechnik eingeschrieben, um das Textilunternehmen seiner Familie weiterzuführen. Danach studierte er Management am Welingkar Institute of Management in Mumbai. Dort entdeckte er mit etwa 19 Jahren bei einem Luftfahrtseminar das Fliegen. Seine Mutter habe die Berufswahl anfangs beunruhigt, sagte er in dem Interview.
Seine Ausbildung absolvierte Machchhar in Neuseeland. Anschließend flog er elf Jahre lang für die indische Fluggesellschaft Spicejet und stieg dort zum Ausbildungskapitän im Linienbetrieb auf, der jüngere Piloten anleitet. 2022 wechselte er zur Flydubai. Nach eigenen Worten fliegt er seit 17 Jahren und ist seit elf Jahren Kapitän. Der Boeing-737-Kapitän hat knapp 9750 Flugstunden absolviert.
In seiner Laufbahn habe er Flüge wegen medizinischer Notfälle umleiten und Abflüge wegen scheinbar kleiner technischer Probleme verschieben müssen, hatte Machchhar in dem Interview erzählt. Verspätungen seien aber keine echten Probleme." Solange ihr gesund aus dem Flugzeug herausgeht, ist es das, was ich will", sagte er damals.
Beruf und Privatleben trennt Machchhar nach eigenen Worten strikt. "Wenn ich aus dem Cockpit oder dem Flugzeug steige, will ich nicht, dass der andere weiß, dass ich Pilot bin", sagte er. Sobald er die Uniform ablege, brauche ihn jemand anderes. Dann warteten seine Kinder darauf, mit ihm zu spielen.
Maschine verliert knapp 14.000 Fuß an Höhe
Die Flydubai-Maschine war am Mittwoch auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als sie in weniger als 30 Sekunden knapp 14.000 Fuß an Höhe verlor. An Bord waren 174 Menschen, die meisten von ihnen Israelis. Nach Einschätzung der israelischen Regierung entging das Flugzeug knapp einem Terroranschlag.
Israelische Regierungsvertreter sagten, der Copilot habe Machchhar mitten im Flug mit Messerstichen verletzt und versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ein Sprecher Netanjahus sagte am Donnerstag, Machchhar habe blutüberströmt am Boden gelegen, als es ihm gelungen sei, die Cockpittür zu öffnen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte Machchhar zuvor bereits einen "wahren Helden".
Die innere Stärke für sein beherztes Handeln bezog der gläubige Hindu Machchhar nach eigenen Angaben aus Stoßgebeten an die affenförmige Schutzgottheit Hanuman, den Sohn des Windgottes Pavan. Behandelt wird der Flugkapitän inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Auch der festgenommene Copilot wurde in die Emirate gebracht. Zu dem Motiv des Angriffs gab es zunächst keine gesicherten Informationen. Israelischen Regierungsvertretern zufolge handelte es sich um einen versuchten islamistischen Anschlag. Doch viele Fragen sind weiterhin offen.