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Die "Tante Ju" auf den Airport Days in Hamburg. © dpa / Daniel Bockwoldt

Luftsportfreunde wollen am Paderborner Flughafen mit finanzieller Hilfe des Landes eines der bekanntesten deutschen Oldtimer-Flugzeuge restaurieren: die Junkers Ju 52 der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung (DLBS) mit der Kennung D-AQUI, die seit 1986 mehr als 250.000 Rundfluggäste über Deutschland befördert hatte. In die Luft steigen wird sie aber wohl nicht mehr.

Allein das Verkehrsflugzeug aus den 1930er Jahren wieder auf die Räder zu stellen, ist ein Mammutprojekt. Der Luftsportverein Quax-Flieger muss dazu am Flughafen Paderborn-Lippstadt extra einen neuen Hangar bauen, weil das Flugzeug mit gut 29 Metern Spannweite für die bisherige Halle zu groß ist. Dennoch ist Vereinssprecher Alexander Stendel optimistisch: "In diesem Jahr bauen wir die Halle, im nächsten Jahr soll die Ju wieder mit ihren Motoren auf eigenen Rädern stehen", sagt Stendel, "was danach kommt, gucken wir mal."

Letzter Flug im August 2018

Seit ihrem letzten Flug im August 2018 ist die im Volksmund "Tante Ju" genannte Maschine nicht mehr abgehoben. Damals war ein Riss am Motorträger festgestellt worden, wie Lufthansa-Stiftungssprecher Wolfgang Servay sagt. Zuletzt hatte die Stiftung sie in Bremen eingelagert und dann - nach dem Stilllegungsbeschluss der Lufthansa im Frühjahr 2019 - im Herbst 2020 mit einem Konvoi von Tiefladern und Lastwagen zu dem Verein nach Paderborn gebracht.

Dort steht der Rumpf der knapp 19 Meter langen Maschine aufgebockt im Quax-Hangar neben den demontierten drei Triebwerken, Tragflächentanks und Rädern und vielen anderen historischen Flugzeugen. In einer weiteren Halle sind die Tragflächen selbst, das Ruder und zahlreiche Einzelteile gelagert. Der Verein, der an diesem Mittwoch (3.2.) sein 15-jähriges Bestehen feiert, übernimmt die Halterschaft und die Kosten, Eigentümer bleibt die Stiftung.

Das Flugzeug wieder zu montieren und die Schäden zu beseitigen, erfordert viel Fachkenntnis und erhebliche Investitionen. "Auch wenn das Flugzeug weiter am Boden bleiben soll - das ist kein Projekt für die Portokasse", sagt Servay. "Wir sind happy, dass die Quaxe sie wieder in einen kompletten Zustand bringen."

Rollen statt fliegen

Die Lufthansa-Stiftung hatte während des Flugbetriebs erhebliche Summen ausgegeben, Experten vermuten rund eine Million Euro pro Jahr, um die Maschine flugfähig zu halten. Inzwischen hätten sich die Auflagen für historische Flugzeuge verschärft, sagt Servay. Eine Rückkehr zum Flugbetrieb scheide also aus, aber "alles, was am Boden stattfindet, ist okay", sagte der Stiftungssprecher.

So plant der Verein etwa, die drei 600-PS-Motoren der Maschine wieder in Gang zu bringen, so dass sie möglicherweise künftig sogar wieder aus eigener Kraft über das Flugfeld rollen könne, berichtet der Technik-Chef des Vereins, Björn Riedesel. Jedenfalls könnten Besucher dann wieder das charakteristische tiefe Brummen der "Tante Ju" hören.

Der 2006 in Hamm gegründete Luftsportverein "Quax-Flieger" zur Förderung von historischem Fluggerät hat in 15 Jahren bereits deutlich über 700 Mitglieder gewonnen - darunter zahlreiche Flugkapitäne der Lufthansa und anderer Linien sowie Mitarbeiter von Flugzeugherstellern.

Er lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden und restauriert mit sechs hauptamtlichen Mitarbeitern seiner Technik-Tochter Quax-Technik GmbH gegen Bezahlung auch historische Flugzeuge von Externen. Namensgeber ist der bekannte Fliegerfilm "Quax, der Bruchpilot" mit Heinz Rühmann. Das Land fördert die Restaurierung - laut Vereinssprecher Stendel mit 100.000 Euro.

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