Eigentlich sollten in diesem Jahr die ersten Nachtzüge von "Midnight Trains" auf die Gleise geschickt werden. Doch daraus wird nun nichts. Was 2020 begonnen wurde, wurde 2024 schon wieder eingestellt, ohne das auch nur ein einziger Zug losfuhr.
Mit großem Bedauern beendete Adrien Aumont, einer der Gründer von "Midnight Trains", das Projekt und gibt sich dabei theatralisch: "Es ist das Ende der europäischen Teleportation". Die "Neuerfindung des Nachtzugs" wie sich Midnight Train selbst nennt, sei gescheitert.
Das geplante klang gut. Zu gut, wie auch airliners.de in seiner Analyse im Jahr 2021 festgestellt hatte. Das Unternehmen wollte Dinge erreichen, die mitunter technisch gar nicht möglich waren.
Auf viel Kritik stieß dabei der Vorschlag, Nachtzüge vom europäischen Festland bis nach Schottland fahren zu lassen. Der Eurotunnel hat sehr besondere Anforderungen. Wagenmaterial gibt es dafür auf dem Gebrauchtmarkt nicht. Es hätte also neues Rollmaterial geben müssen.
Auch der Versuch, Nachtzüge in das Breitspurland Portugal zu schicken, erschien unrealistisch. Zwar sollte beides erst in späteren Stufen umgesetzt werden, doch dafür hätte "Midnight Trains" schon in den vergangenen Jahren Vorbereitungen treffen müssen. Aumont behauptet bis heute, dass die Pläne realistisch waren.
Sogar ein Hersteller der neuen Nachtzüge sollte schon ausgewählt worden sein. Wer das ist, lässt Aumont in seinem Abschlussblogpost aber offen. Selbst ein Leasinggeber für die ersten zwei Züge soll vorhanden gewesen sein. Paris - Mailand - Venedig sollte damit bedient werden.
Als Nachtzug-Hub sollte dabei Paris dienen. Fahrgäste hätten hier morgens mit einem Nachtzug ankommen können, den Tag in der französischen Metropole verbringen können und wären dann weitergereist, sofern sie nicht ohnehin Paris als Ziel hatten.
Erfolglose Suche nach Nachtzugwaggons
Doch zu den Zügen kam man nicht. Erst dachte "Midnight Trains" an den Gebrauchtmarkt. Doch später wollte man doch lieber Neuwagen ordern, wie aus einem Blogpost hervorgeht.
Entgegen der Erwartung standen aber keine Nachtzüge zum Kauf bereit. Ein Hersteller hätte liefern können – 2028. Den Beschreibungen zufolge dürfte das Siemens Mobility gewesen sein. Doch 2028 wäre für "Midnight Trains", die schon 2024 starten wollten, zu spät gewesen. Und der andere Hersteller wollte doppelt so viel Geld wie veranschlagt.