Malaysias Regierung hat Malaysia Airlines und Batik Air gefragt, ob sie den heimischen Marktanteil der Air Asia übernehmen könnten. Das sei Teil einer Szenarienplanung, mit der die Behörden die finanzielle Lage des größten südostasiatischen Billigfliegers im Blick behielten, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die Gespräche zwischen der Regierung, Malaysia Airlines und Batik Air hätten sich in den vergangenen Wochen verdichtet, angesichts wachsender Sorgen um die finanzielle Belastung von Air Asia, hieß es weiter. Grund seien unter anderem stark gestiegene Kerosinkosten infolge des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran: Im zweiten Quartal seien die Kosten gegenüber dem Vorquartal um 66 Prozent auf durchschnittlich 183 US-Dollar (rund 159 Euro) je Barrel gestiegen.
An den Gesprächen seien auch das Finanzministerium und der staatlich verbundene Flughafenbetreiber Malaysia Airports Holdings (MAHB) beteiligt. Diskutiert werde außerdem, ob die Regierung Air Asia mit einer Art Bürgschaft helfen könnte, frisches Kapital von externen Investoren einzuwerben. Die genaue Ausgestaltung einer möglichen Unterstützung sei aber offen. Eine unabhängige Bestätigung der finanziellen Lage der Air Asia lag zunächst nicht vor.
Die Malaysia Airlines und die Batik Air erklärten gegenüber der Regierung, sie würden den Betrieb von Air Asia nur dann in großem Umfang übernehmen, wenn sie auch deren Flugzeug-Leasingverträge mitübernehmen könnten. Eine Übernahme von Strecken und Passagieren ohne die Flugzeuge wäre deutlich schwieriger, sagte eine der Personen. Beide Fluggesellschaften hätten der Regierung zudem signalisiert, lieber organisch zu wachsen und so Strecken und Passagiere der Air Asia zu übernehmen, statt das gesamte Unternehmen zu kaufen.
Air Asia beziffert ihren Anteil am malaysischen Luftverkehrsmarkt auf rund 40 Prozent, im Inlandsverkehr auf 60 Prozent – das mache ihre finanziellen Probleme für die Regierung zu einem gewichtigen Thema, sagten die Gesprächspartner.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Air Asia Group, Farouk Kamal, erklärte, das Unternehmen kommentiere keine operativen oder finanziellen Spekulationen sowie keine unangekündigten Unternehmensvereinbarungen. Alle wesentlichen Neuigkeiten zu Geschäft und Flottenstrategie würden zum gegebenen Zeitpunkt transparent über offizielle Börsenmitteilungen veröffentlicht. Man sehe weiterhin eine solide Nachfrage im eigenen Streckennetz und arbeite eng mit den Stakeholdern zusammen, um die finanziellen und operativen Anforderungen zu erfüllen, sagte Kamal weiter.
Die MAHB erklärte, sie stehe im Rahmen der üblichen Netz- und Streckenentwicklung mit allen Airline-Partnern im Austausch, auch über mögliche Kapazitäts- und Streckenchancen dort, wo es Marktlücken oder ungedeckte Nachfrage gebe. Zur finanziellen Lage von Air Asia äußerte sich der Flughafenbetreiber nicht. Auch das Finanzministerium, die Batik Air und die Malaysia Airlines wollten sich nicht äußern.
Air Asia sucht frisches Kapital
Air Asia wies zum 30. Juni kurzfristige Verbindlichkeiten von 18,4 Milliarden Ringgit (rund 3,9 Milliarden Euro) aus, nach Angaben der Gesprächspartner umgerechnet 4,51 Milliarden US-Dollar. Der Fluggesellschaft zufolge schuldet sie der MAHB mindestens 500 Millionen Ringgit, unter anderem für Lande- und Parkgebühren – das sagten vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Flughafenbetreiber habe der Airline bereits Zahlungsaufschübe gewährt, sagten zwei von ihnen.
Air Asia teilte in diesem Monat mit, mit Finanzinstituten über eine Refinanzierung zu verhandeln. Ziel seien bis zu einer Milliarde US-Dollar von internationalen Kreditmärkten sowie 700 Millionen Ringgit aus lokalen Kreditlinien, vor allem zur Umschuldung. Zwei der Gesprächspartner schätzten, dass die Fluggesellschaft mindestens drei Milliarden US-Dollar frisches Kapital benötige, um ihre finanzielle Lage in den Griff zu bekommen. Air Asia erklärte dazu, die eigenen Finanzierungsziele reichten aus, um den Kapitalbedarf zu decken. Zum 30. Juni habe das Unternehmen über liquide Mittel von 954 Millionen Ringgit verfügt.
Im zweiten Quartal habe Air Asia einen Nettoverlust von 831 Millionen Ringgit ausgewiesen, belastet durch die gestiegenen Kerosinkosten und Wechselkursverluste von 331 Millionen Ringgit. Das Unternehmen restrukturiere nach eigenen Angaben in großem Umfang: Es habe unrentable Strecken gestrichen, 25 ältere Flugzeuge an Leasinggeber zurückgegeben und Verträge mit Zulieferern neu verhandelt, um Kosten zu senken.
Bereits in diesem Monat war bekannt geworden, dass das Finanzministerium die Beratungsgesellschaft Alton Aviation Consultancy beauftragt hat, den Finanzierungsbedarf von Air Asia zu bewerten. Die Regierung wäge damit ab, ob sie angesichts der Rolle der Fluggesellschaft als großer Arbeitgeber und Anbieter günstiger Flugverbindungen in der Region Unterstützung leistet. Das Finanzministerium äußerte sich dazu nicht, Alton reagierte nicht auf eine Anfrage.