Südostasiens Billigfluggesellschaften hoffen, dass der Höhepunkt des von der Nahost-Krise ausgelösten Treibstoffschocks überstanden ist. Nach schwachen Ergebnissen im zweiten Quartal rechnen Airline-Manager und Analysten für das zweite Halbjahr dennoch mit anhaltendem Margendruck und einer schwächeren Nachfrage, weil die Haushaltsbudgets in der Region angespannt bleiben.
Die jüngsten Quartalszahlen der malaysischen Air Asia, der Billigflug-Tochter Scoot von Singapore Airlines und der philippinischen Cebu Pacific zeigten, dass höhere Ticketpreise die stark gestiegenen Treibstoffkosten nicht ausgleichen konnten. Air Asia und Cebu Pacific verzeichneten Nettoverluste, der operative Verlust von Scoot verdoppelte sich nahezu.
Die Ergebnisse offenbarten eine Schwachstelle des Low-Cost-Modells: Treibstoff macht bei Billigfliegern einen größeren Kostenanteil aus als bei Legacy-Carriern. Gleichzeitig lassen preissensible Passagiere den Fluggesellschaften wenig Spielraum, Tarife anzuheben, ohne dass die Nachfrage einbricht.
Die Schwäche mehrerer Landeswährungen verschärfte die Lage zusätzlich. Der malaysische Ringgit, der thailändische Baht, die indonesische Rupiah und der philippinische Peso werteten gegenüber dem US-Dollar ab, was die in US-Dollar berechneten Treibstoff- und Leasingkosten für Flugzeuge weiter erhöhte.
Cebu Pacific mit schwierigstem Quartal seit der Pandemie
"Das zweite Quartal war das schwierigste operative Umfeld, dem sich Cebu Pacific seit der Pandemie stellen musste", sagte Vorstandsvorsitzender Mike Szucs in diesem Monat bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.
Der Treibstoffaufwand der Airline habe sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, sagte ein weiterer Manager. Verstärkt worden sei der Effekt durch eine Abwertung des Peso um acht Prozent. Cebu Pacific hat rund 30 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für das dritte Quartal zu einem Preis von unter 120 US-Dollar (rund 103 Euro) je Barrel abgesichert, um sich kurzfristig zu schützen.
Legacy Carrier seien durch die anhaltend starke Nachfrage von Premium-Passagieren nach der Pandemie besser geschützt gewesen, sagte Nathan Gee, Leiter der Verkehrsforschung für den asiatisch-pazifischen Raum bei BofA Global Research. Billigfluggesellschaften hätten wegen einfacherer Produkte und kleinerer Kundenbindungsprogramme weniger von diesem Trend profitiert.
Air Asia setzt auf Erholung im vierten Quartal
Air Asia stellt sich auf ein schwaches drittes Quartal ein, das nach Angaben der Airline saisonal traditionell das schwächste für Reisen in der Region ist. Die Fluggesellschaft plant, die Sitzplatzkapazität im Vergleich zum Vorjahresquartal um 20 bis 25 Prozent zu kürzen, in diesem Jahr 25 ältere Flugzeuge an Leasinggeber zurückzugeben und die Strecke Sydney–Kuala Lumpur ab Oktober im Rahmen einer umfassenderen Netzanpassung auszusetzen.
Vorstandsvorsitzender Bo Lingam erklärte in einer Mitteilung, die Airline verfolge einen "bewussten, taktischen Ansatz", um das Ergebnis zu schützen. Die durchschnittlichen Kerosinpreise hatten im zweiten Quartal bei 183 US-Dollar je Barrel gelegen. Air Asia verbuchte zudem einen Nettoverlust aus Währungseffekten von rund 82 Millionen US-Dollar.
Lingam sagte, die Airline erwarte, die Kapazität im vierten Quartal wieder auf das Niveau vor dem Krieg zu bringen. Die Vorausbuchungen lägen bislang auf dem Niveau des Vorjahres.
Scoot trotz starker Nachfrage mit höheren Kosten
Scoot hat die Kapazität weiter ausgebaut, weil die Nachfrage robust bleibt. Die Stückkosten je Passagier stiegen in den drei Monaten bis Ende Juni jedoch um 21,7 Prozent. Der operative Verlust wuchs trotz höherer Tarife und der Absicherung über das Treibstoff-Hedging-Programm der Muttergesellschaft Singapore Airlines auf 32 Millionen Singapur-Dollar (rund 21,6 Millionen Euro), nach 17 Millionen Singapur-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der Kostenanstieg ließ den Sitzladefaktor, ab dem Scoot kostendeckend arbeitet, auf 100 Prozent steigen. Die Airline hätte demnach jeden Sitzplatz verkaufen müssen, um ihre Kosten im Passagierbetrieb zu decken. Der tatsächliche Sitzladefaktor lag bei 90,6 Prozent.
Chief Commercial Officer Calvin Chan erklärte in einer Stellungnahme, die Tarifanpassungen hätten die höheren Treibstoffpreise nicht vollständig ausgeglichen. Der Nahostkonflikt trübe zudem weiterhin den Ausblick.
Ausblick bleibt gedämpft
Ein Rückgang der Kerosinpreise würde die unmittelbaren Kostenbelastungen zwar lindern, könne Fluggesellschaften laut Gee aber auch dazu verleiten, Kapazitäten wiederherzustellen und aggressiver über den Preis zu konkurrieren. Innerasiatische Strecken seien davon besonders betroffen, weil sich das Angebot an Schmalrumpfflugzeugen schneller erhole als jenes an Großraumflugzeugen, sagte er. Die zusätzliche Kapazität könnte dabei auf eine schwächere Nachfrage treffen.
Angespannte Haushaltsbudgets könnten die Reisetätigkeit der südostasiatischen Mittelschicht im weiteren Jahresverlauf und in der wichtigen Hauptreisesaison bremsen, sagte der unabhängige Luftfahrtanalyst Brendan Sobie. "Der kurzfristige Ausblick ist eher trüb", sagte er. "Es gibt zwar Hoffnung auf eine Verbesserung im vierten Quartal, aber es ist noch zu früh, das wirklich einzuschätzen."