Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und damit Streiks beim Bodenpersonal abgewendet. Der Abschluss sieht Gehaltserhöhungen für die mehr als 20.000 Beschäftigten vor sowie einen langen Schutz vor Ausgliederungen, wie die Gewerkschaft nach vier Verhandlungsrunden mitteilte.
"Die Beschäftigten haben künftig im Durchschnitt gut 220 Euro monatlich mehr in der Tasche", sagte Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky. Dem Ergebnis müssen noch die Gewerkschaftsmitglieder in einer Befragung zustimmen.
Dem Abschluss zufolge steigen die Grundgehälter in zwei Schritten um insgesamt 4,65 Prozent. Rückwirkend zum Januar gibt es 2,2 Prozent mehr Geld und ab März 2027 weitere 2,4 Prozent. Bei der Kernmarke Lufthansa allerdings kommt die erste Erhöhung erst im Januar 2027. Die Ausbildungsvergütungen steigen insgesamt um 100 Euro.
Zudem wurde eine finanzielle Aufwertung für technische Berufe vereinbart, die zu einem zusätzlichen Einkommensplus von bis zu fünf Prozent führen kann. Untere Einkommen bei der Frachttochter Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik Logistik Services sollen überproportional steigen. Verdi hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Lohn gefordert.
Der Tarifvertrag läuft über 26 Monate bis Ende Februar 2028. Gewerkschaftsmitglieder erhalten zudem während der Laufzeit drei zusätzliche freie Tage.
Michael Niggemann, Vorstand Personal und Recht der Lufthansa, sagte, die lange Laufzeit garantiere Verlässlichkeit. Der Abschluss setze in Zeiten geopolitischer Krisen ein klares Zeichen. Ähnlich äußerte sich Verdi. "Dieses Tarifergebnis schafft Sicherheit in unsicheren Zeiten", sagte Reschinsky.
Achtjähriger Schutz vor Ausgliederungen
Ein zentraler Punkt der Einigung ist aus Sicht der Gewerkschaft ein achtjähriger Schutz des Personals aus der Passagier- und Flugzeugabfertigung vor Ausgliederungen in Firmen, die geringere Gehälter zahlen. "Dieses Tarifergebnis schafft Sicherheit in unsicheren Zeiten", sagte Reschinsky. Die in den vergangenen Monaten oft diskutierte Ausgliederung, die wie eine Drohung über den Bodenbeschäftigten geschwebt habe, sei nun für lange Zeit ausgeschlossen.
Die Spartengewerkschaft Agil kritisierte Verdi dafür scharf. Der Arbeitgeber wende damit eine "Gefahr" ab, die aktuell gar nicht existiere, argumentierte Agil. Ein solches Abkommen koste das Unternehmen nichts.
Der Tarifkonflikt hatte sich zuletzt deutlich zugespitzt – Verdi hatte Warnstreiks geprüft, nachdem die Gewerkschaft ein erstes Angebot von Lufthansa abgelehnt hatte.
Zum Bodenpersonal der Lufthansa zählen Beschäftigte in rund 20 Konzerngesellschaften, etwa beim Check-in, in der Passagierbetreuung, bei der Flugzeugwartung sowie in der Frachtabfertigung und Verwaltung.