Die Vereinigung Cockpit (VC) treibt den Arbeitskampf bei der Lufthansa-Tochter Cityline voran. Die Urabstimmung der rund 500 Cockpit-Beschäftigten über mögliche Streikmaßnahmen läuft bis zum 26. Februar, wie die Gewerkschaft mitteilte. Eine streikfähige Cityline könnte dann gemeinsam mit den rund 5.000 Lufthansa-Piloten in den Arbeitskampf ziehen. Die VC hatte im Streit um die Altersvorsorge bei Lufthansa einen weiteren Streik angedroht.
Die VC hatte die Tarifverhandlungen mit der Lufthansa in dieser Woche für gescheitert erklärt. Die Gewerkschaft fordert rückwirkend ab 2024 in drei jährlichen Schritten insgesamt 9,9 Prozent mehr Vergütung. "Ein tariffähiges Angebot des Arbeitgebers liegt bis heute nicht vor", erklärte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Eine Gehaltserhöhung, die an anderer Stelle wieder eingespart werden solle, sei kein Angebot.
Cityline widersprach und verwies auf ein neues, "verhandlungsfähiges" Angebot. Ein Abschluss müsse jedoch die hohen Verluste der Airline reflektieren. Cityline appellierte an die VC, wieder zu verhandeln statt zu streiken.
Verdi: Warnstreiks am Boden möglich
Keinen Fortschritt sieht auch die Gewerkschaft Verdi bei den Verhandlungen für die rund 20.000 Beschäftigten am Boden. Nach drei Verhandlungsrunden poche die Lufthansa weiter auf eine Nullrunde und wolle Tarife absenken, erklärte Verhandlungsführer Marvin Reschinsky. "Wir prüfen jetzt mit den Beschäftigten unsere Durchsetzungsoptionen, um den Druck zu erhöhen", sagte er. Da die Friedenspflicht endete, sind Warnstreiks möglich.
Verdi fordert für das Bodenpersonal sechs Prozent oder mindestens 250 Euro mehr Gehalt. Die Verhandlungen sollen am 3. März weitergehen. Es gebe Termine bis Mitte April, erklärte die Lufthansa und wollte sich zum Inhalt der Gespräche nicht äußern.
Sanierungsdruck trifft auf Gewerkschaftsforderungen
Die Lufthansa steckt nach Verlusten im Jahr 2024 mitten in einem Sanierungsprogramm. Die Personalkosten sollen sinken, um die Umsatzrendite des Konzerns bis Ende des Jahrzehnts auf acht bis zehn Prozent zu erhöhen. Gegenüber den Forderungen von VC, Verdi und der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo) zeigt das Unternehmen den Gewerkschaften zufolge bisher kein Entgegenkommen. Die Lufthansa schrumpft ihre Premiumairline und baut die günstigeren Töchter Discover und City Airlines aus.
Von Cityline zu City Airlines
Cityline betreibt mit einer Flotte von derzeit rund 30 Flugzeugen Zubringerflüge zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München sowie Europa-Flüge. Die Fluggesellschaft wird seit zwei Jahren verkleinert und soll geschlossen werden. Stattdessen wird die neu gegründete City Airlines aufgebaut. Die Lufthansa erhofft sich niedrigere Personalkosten, da für City Airlines günstigere Tarifverträge ausgehandelt werden sollen. Zwischen der Lufthansa und der VC ist das ein Zankapfel – die Piloten wehren sich gegen ein immer stärkeres Absenken der Tarife.
Die in München beheimatete City Airlines nahm kürzlich auch in Frankfurt den Betrieb auf. Bis Herbst soll die Flotte dort auf sieben Airbus A320 Neo wachsen, die zu 13 Flugzeugen am Drehkreuz München hinzukommen. Derzeit hat die Fluglinie 450 Mitarbeitende. In den kommenden Monaten sollen 80 Cockpit- und 200 Kabinenbeschäftigte hinzukommen.
Bei den laufenden Gesprächen zur Ersttarifierung bei City Airlines macht sich Verdi Hoffnungen, als Tarifpartner zum Zug zu kommen. "Es gibt inzwischen wieder einen guten, konstruktiven Verhandlungsverlauf, auch wenn wir uns noch nicht in allen Punkten einig sind", sagte Reschinsky. Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger erklärte, die Gespräche lägen nicht in der erhofften Frequenz. Die VC bleibt unterdessen gesprächsbereit.
Der Tarifkonflikt bei Cityline steht nicht allein: In der vergangenen Woche hatten Piloten der Kernmarke Lufthansa einen Tag lang gestreikt, um im Streit über höhere Beiträge zur Altersvorsorge Druck zu machen.
