Die zu Jahresbeginn eingeführte neue Organisationsstruktur der Lufthansa Group stößt bei Führungskräften und Beschäftigten auf Kritik. Das berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag.
Seit Januar steuert der Konzern mit dem Programm "Matrix Next Level" Flugangebot, Netz und Vertrieb von Lufthansa, Swiss, Brussels Airlines, Austrian Airlines und Ita Airways zentral.
Eine Führungskraft sagte der Zeitung jetzt, der Konzern habe sich noch immer nicht final entschieden, wie die neue Struktur genau umgesetzt werden soll. Offen sei etwa, ob die Lufthansa Group weiter auf eine dominierende Hauptmarke setze oder – wie beispielsweise die IAG rund um Iberia und British Airways – auf weitgehend selbstständige Airlines setze.
Die Konzernführung sieht in der Zentralisierung dagegen bereits Vorteile. Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter führte Ende August vor Beschäftigten in München den Starlink-Rollout an Bord als Beleg an. Die Entscheidung dafür sei aus Sicht des gesamten Konzerns getroffen worden.
Andere Manager halten die Zentralisierung laut dem Bericht für unzureichend, weil die einzelnen Airlines weiterhin eigene Führungsgremien haben. Diese abzuschaffen, stoße aber vor allem in der Schweiz auf erheblichen Widerstand, sagte ein Manager der Zeitung. Aufsichtsratschef Johannes Teyssen hatte die Schweizer Sorge um die Eigenständigkeit von Swiss Anfang September in der "Neuen Zürcher Zeitung" als "Phantomschmerzen" zurückgewiesen.
Umstritten ist den Angaben nach vor aber vor allem Projekt in Deutschland: "Nexus". Darin prüfe das Management eine engere Zusammenarbeit der Kernmarke Lufthansa mit der neuen Lufthansa City Airlines und dem neuen Ferienflieger Discover Airlines. Dabei geht es etwa um die Einsatzplanung der Crews, schreibt das "Handelsblatt". Kritiker fürchteten, die beiden Töchter könnten so an Beweglichkeit einbüßen, auf der ihr Geschäftsmodell beruhe.
Die Lufthansa äußerte sich gegenüber der Zeitung nicht. City Airlines und Discover sollen bis 2030 die Hälfte der Schmalrumpfjets der Kernmarke betreiben.