Carsten Spohr hat für 2027 einen weiteren Abbau bei der Lufthansa-Kurz- und -Mittelstreckenflotte angekündigt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, sagte der Vorstandschef bei einer Mitarbeiterveranstaltung, dass die Fluggesellschaft bis zu 15 Maschinen aus dem Flugbetrieb nehmen werde. Den anhaltenden Verlusten im Europaverkehr will das Unternehmen damit entgegensteuern.
Schon im laufenden Jahr hatte die Lufthansa ihr Europanetz ausgedünnt. Hintergrund war vor allem die Schließung der Regionaltochter Lufthansa Cityline nach den Streiks von Piloten und Flugbegleitern im Frühjahr. Dadurch standen der Fluggesellschaft im aktuellen Sommerflugplan bereits rund 25 Maschinen weniger zur Verfügung als ursprünglich vorgesehen.
Als Grund nannte Spohr die Wirtschaftlichkeit im Europaverkehr: Profitable Strecken würden ihre Erträge derzeit an die Verlustbringer im Netz verlieren. Damit bestätigte der Vorstandschef indirekt, dass die Lufthansa im Kontinentalverkehr weiterhin Verluste einfliegt – nach Einschätzung der "Süddeutschen Zeitung" das größte strukturelle Problem des Konzerns.
Höhere Produktivität als Ziel
Nach Einschätzung der Airline kann nur eine höhere Produktivität, insbesondere beim fliegenden Personal, das Schrumpfen der Kernmarke stoppen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle anderen wachsen, nur die Classic wird kleiner und kleiner", sagte Spohr laut Bericht.
Sollten die Kosten nicht sinken, ist es laut Spohr denkbar, dass die Kernmarke künftig nur noch Langstrecken sowie einzelne Kurzstrecken bedient. Der Großteil des Europageschäfts würde dann an günstiger operierende Konzerntöchter übergehen.
Seit den Streiks vom Frühjahr laufen Sondierungsgespräche zwischen dem Management und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sowie der unabhängigen Flugbegleitervereinigung Ufo. Vorrangiges Ziel des Managements ist dabei eine deutlich höhere Produktivität. Die VC hatte in einem internen Rundschreiben zuletzt beklagt, das Management blockiere Lösungsansätze und spiele "augenscheinlich auf Zeit". Dennoch wolle die Gewerkschaft dem Unternehmen noch ein begrenztes Zeitfenster für weitere Gespräche einräumen. Die VC-Mitglieder sollen im Laufe dieser Woche informiert werden.
München wächst schneller als Frankfurt
Das Drehkreuz München soll laut Spohr auch künftig schneller wachsen als der Hauptstandort Frankfurt. Die Kosten pro Passagier lägen in München rund zehn Euro niedriger, weshalb die Lufthansa einen Anreiz habe, den Standort weiter zu stärken.
Auch die verbliebenen acht Airbus A380 sollen demnach weiterhin in München stationiert bleiben.