Airbus hat am Donnerstagmorgen mit dem ersten Prototyp des Frachtflugzeugs A350F zwei Startabbruchtests auf dem Werksflughafen in Toulouse durchgeführt. Videos in sozialen Medien zeigen, wie die Maschine mit hoher Geschwindigkeit über die Piste beschleunigt und dann bis zum Stillstand abbremst, ohne abzuheben.
Die Manöver zählen zu den letzten Bodentests vor dem Jungfernflug. Zuvor hatten die Testpiloten mit dem Frachter bereits erste Rollversuche unternommen. Mit den Startabbrüchen ist das Bodentestprogramm nun weitgehend abgearbeitet.
Offiziell hatte Airbus Anfang September mitgeteilt, den Erstflug für Ende September anzustreben. Der Termin stehe unter dem Vorbehalt mehrerer Faktoren, darunter das Wetter. Aus Branchenkreisen hieß es, für den Erstflug sei der 29. September vorgesehen. Eine Bestätigung dieses Datums durch den Hersteller steht aus.
Rund 400 Stunden Flugerprobung
Den Großteil der Flugerprobung soll der erste Prototyp mit der Seriennummer MSN 700 übernehmen. Airbus hat dafür rund 400 Flugstunden angesetzt. Im Mittelpunkt stehen die Flugeigenschaften und die Leistungsdaten des Frachters. Seit Mitte August trägt die Maschine eine braune Lackierung im Stil eines Pakets, deren Design Airbus zuvor über einen Wettbewerb ausgewählt hatte.
Für Funktionstests setzt der Hersteller einen zweiten Prototyp ein, die MSN 701. Auch diese Maschine ist bereits weitgehend fertiggestellt. Bei ihrem ersten Auftritt auf dem Vorfeld in Toulouse im August fehlten ihr allerdings noch die Lackierung, die beiden Triebwerke vom Typ Rolls-Royce Trent XWB-97 und das große Hauptdeck-Frachttor auf der linken Rumpfseite.
Vorsprung vor der Boeing 777-8F
Nach dem Erstflug beginnt ein dichtes Testprogramm. Vorstandsvorsitzender Guillaume Faury hatte im August angekündigt, die erste A350F idealerweise bis Ende 2027 auszuliefern. Ab 2028 sollen Auslieferungen in größerer Zahl folgen.
Ursprünglich hatte Airbus die ersten Testflüge bereits für 2025 und die Indienststellung für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Produktions- und Lieferkettenprobleme hatten den Zeitplan um ein Jahr verschoben.
Mit der A350F will Airbus früher auf dem Markt sein als Boeing mit der 777-8F. Deren Indienststellung erwartet der US-Hersteller nach eigenen Angaben erst um 2029. Unter Verweis auf die Unsicherheit im Zulassungszeitplan hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA Boeing Mitte September erlaubt, trotz neuer Emissionsvorschriften bis zu 35 weitere 777F auch nach 2028 zu verkaufen.
Die A350F soll nach Herstellerangaben bis zu 111 Tonnen Fracht über eine Distanz von bis zu 8700 Kilometern befördern. Airbus verzeichnet für den Typ bislang mehr als 100 Bestellungen.