Finanzchef Brian West hat Investoren darauf vorbereitet, dass der in einer Krise steckende Flugzeugbauer 2024 eher Geld verbrauchen, als erwirtschaften wird. Er erwarte für das Gesamtjahr einen negativen freien Cashflow, sagte West auf einer Branchenkonferenz.
Im März noch ging West von einem positiven Cashflow im niedrigen einstelligen Milliardenbereich aus.
Seine Äußerungen überraschten einige Investoren und ließen die Aktien im Nachmittagshandel fallen.
Die Auslieferungen würden im zweiten Quartal voraussichtlich nicht steigen. Auch die Auslieferungen nach China hätten sich in den vergangenen Wochen verzögert, so West weiter. Er fügte hinzu, dass die Kunden aufgrund der Lieferkette und der Produktionsprobleme "frustriert und enttäuscht" seien.
"Wenn du drinnen bist, siehst du den Fortschritt", sagte West, aber er sagte auch, dass "jeder sich wünscht, dass es schneller geht".
Hinter den Erwartungen
Die Produktion von Boeing-Jets hat sich drastisch verlangsamt. Aufsichtsbehörden, Fluggesellschaften und Gesetzgeber schauen nach einem Zwischenfall im Januar, bei dem ein Türpaneel an einem Flugzeug der Alaska Airlines mitten in der Luft herausgebrochen war, immer genauer hin.
Der US-Flugzeughersteller erklärte, dass er mit den chinesischen Kunden an der zeitlichen Planung ihrer Auslieferungen arbeitet, da die chinesische Zivilluftfahrtbehörde ihre Überprüfung der Batterien des 25-Stunden-Cockpit-Stimmenrekorders abgeschlossen hat.
Die Produktion der Boeing 737 Max fiel im April sogar in den einstelligen Bereich, wie Reuters berichtete. Damit lag Boeing sogar weit unter der von der US-Luftfahrtbehörde FAA festgelegten Obergrenze von 38 Jets pro Monat. Die Arbeiter verlangsamen die Montagelinie außerhalb von Seattle, um ausstehende Arbeiten abzuschließen.
"Das sind sicherlich keine guten Nachrichten. Wir hatten bereits erwartet, dass dieses Jahr unter unseren finanziellen Erwartungen für das Rating liegen würde, und dies ist noch schlimmer", sagte Ben Tsocanos, Direktor für Fluggesellschaften bei S&P Global Ratings.
Viel Arbeit vor sich
Die FAA hatte dem Flugzeughersteller eine Frist bis zum 30. Mai gesetzt, um einen 90-Tage-Bericht vorzulegen, in dem "systemische Qualitätskontrollprobleme" angesprochen werden. FAA-Administrator Mike Whitaker sagte, dass Boeing einen "langen Weg" vor sich hat, um die Sicherheitsprobleme zu lösen.
Außerdem will das US-Justizministerium bis zum 7. Juli entscheiden, ob es Boeing wegen des Verstoßes gegen eine Vereinbarung verklagt, die das Unternehmen vor Strafverfolgung im Zusammenhang mit früheren Flugzeugabstürzen in den Jahren 2018 und 2019 schützt.