Cyberkriminelle nehmen nach Angaben des Fachmagazins "fvw" zunehmend Reiseveranstalter und Online-Reisebüros ins Visier. Der Sicherheitsexperte Patrick Coulomb, Vertriebs- und Marketingchef des Betrugspräventionsanbieters Ypsilon sieht Künstliche Intelligenz (KI) dabei aktuell als größte Herausforderung.
"KI wird zum Brandbeschleuniger", sagte er. Sie ermögliche täuschend echte Phishing-Mails, synthetische Identitäten und Deepfakes.
Gefälschte Buchungen ließen sich mittlerweile mithilfe künstlicher Intelligenz industriell und in Sekundenschnelle erzeugen. "Das Problem ist ziemlich groß und wird von Tag zu Tag größer", sagte er.
Künftig könnten selbstständig agierende KI-Bots Reisen buchen und bezahlen – Betrugsbekämpfer müssten dann stärker auf die Absicht hinter einer Buchung achten als auf die Frage, ob ein Mensch oder eine Maschine sie ausgelöst habe.
Nachdem Fluggesellschaften ihre Betrugsabwehr verbessert hätten, seien Kriminelle zuletzt verstärkt auf Reiseveranstalter und Online-Reisebüros ausgewichen, sagte Coulomb. Bei deutschen Anbietern, die das Präventionssystem von Ypsilon nutzen, seien im Juni und Juli monatlich durchschnittlich 74 Betrugsfälle mit einem potenziellen Schaden von rund 113.000 Euro erkannt worden.
Im Fokus stehe dabei vor allem Kreditkartenbetrug. Daneben nutzten Täter gestohlene Identitäten, missbrauchte Bonusprogramme oder legten Buchungen an, um Verfügbarkeiten künstlich zu blockieren. Verdächtige Vorgänge ließen sich häufig an unplausiblen Adressen oder Widersprüchen zwischen IP-Adresse, Kreditkarte und Wohnort erkennen.