Interview
Finnair-CEO Turkka Kuusisto setzt auf Japanverbindungen, den Melbourne-Ausbau und eine stärkere finnische Identität der Marke. Im Interview mit airliners.de spricht er über Streikfolgen, den gesperrten russischen Luftraum und die bevorstehende Flottenentscheidung.
Für die 1924 gegründete Airline aus dem Norden mit ihren 5800 Mitarbeitenden haben sich die Reiseströme verändert. Nach Schließung des russischen Luftraums sind die Wege nach Fernost länger geworden. Warum Japan-Flüge trotz des Umwegs und Umsteigepassagiere aus Australien für Finnair wichtig sind, erklärt Turkka Kuusisto, CEO von Finnair, im Interview mit airliners.de.
airliners.de: Ihre enge Verbindung zur Airline begann schon früh, denn Ihr Vater war Pilot bei Finnair. Sind Sie als Kind bereits im Cockpit mitgeflogen?
Turkka Kuusisto: Ja, als ich acht Jahre alt war, mit einer McDonnell Douglas DC-9. Das war in den späten 1980er Jahren.
Später haben Sie Finnair als Vielflieger intensiv kennengelernt ...
... für mehr als zehn Jahre war ich Inhaber der Finnair Plus Platinum Card und Fan der neuen Business Class. Auch heute nehme ich die Perspektive aus Kundensicht ein. Wie gut funktionieren unsere Abläufe?
Als ich vergangene Woche mit Verspätung nach Hongkong flog, habe ich mir Notizen für den Chief Operating Officer für optimierte Ansagen gemacht.
Turkka Kuusisto, geboren 1979, begann seine Karriere als Management-Consultant und arbeitete sich acht Jahre bei einem finnischen Finanzdienstleister nach oben. Fast ebenso lange war er beim größten Logistikunternehmen des Ostseeraums, der finnischen Posti-Gruppe, gleichzeitig Postdienstleister des Landes. Bis März 2024 war er dort zuletzt über vier Jahre CEO. In gleicher Rolle wechselte er im April 2024 auf den Chefposten bei Finnair. Seine einzige Luftfahrterfahrung bis dato bezog er aus seinem langjährigen Topstatus als Vielflieger sowie auf die Erlebnisse als Sohn eines Finnair-Piloten.
Seit knapp zwei Jahren sind Sie nun CEO von Finnair. Was war seitdem die größte Herausforderung?
Von den Streiks der Piloten und des Bodenpersonals im vergangenen Jahr waren 300.000 Kunden betroffen. Aber danach hat die Kundenzufriedenheit schnell wieder zugelegt. Im vierten Quartal stieg unser Net Promoter Score wieder auf 38, bei den Vielfliegern erreichten wir den Wert von 43.
Wie groß waren die Auswirkungen der Arbeitskämpfe auf das Betriebsergebnis?
Im Jahr 2025 haben wir 11,9 Millionen Passagiere befördert. Die Auslastung stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 77,1 Prozent. Zum dritten Jahr in Folge sind wir profitabel.
Die direkten Effekte der Streiks beziffern wir auf 68 Millionen Euro. Dadurch ging das operative Ergebnis von 114,2 Millionen Euro auf 60,1 Millionen Euro zurück. Aber das vierte Quartal 2025 erwies sich als das bisher beste in der Geschichte von Finnair.
Reportage
Japan will bis 2030 zehn Prozent seines Flugkraftstoffs aus nachhaltigen Quellen beziehen – doch das Land hinkt seinem Ziel dramatisch hinterher. Derzeit werden nur 0,3 Prozent des Kerosinbedarfs im Inland als SAF produziert. Wie die Luftfahrtbranche nun um jeden Liter gebrauchtes Speiseöl kämpft – und warum das bei weitem nicht reichen wird.
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