Nach über dreißig Jahren in der Luftfahrtbranche übernahm Detlef Schäfer-Carroll im Mai 2025 die Geschäftsführung am Flughafen Friedrichshafen. Der Airport hatte Anfang 2024 mit dem Rückzug der Lufthansa über hunderttausend Passagiere und ein Drittel seines Verkehrs verloren. Im Interview mit airliners.de erläutert Schäfer-Carroll, wie der Flughafen mit Portfolio-Verbreiterung und neuen Airlines wie Air Uniqon und Ryanair gegensteuert – und warum Regionalflughäfen unverzichtbare Infrastruktur sind.
airliners.de: Was bedeutet Portfolio-Verbreiterung konkret für den Flughafen Friedrichshafen nach dem Wegfall der Lufthansa?
Detlef Schäfer-Carroll: Man hat sich sehr auf die Lufthansa konzentriert, die hier seit vielen Jahren geflogen ist und Anfang 2024 von einem Tag auf den anderen den Verkehr aufgegeben hat. Das war für die Region ein tiefer Schlag. Für den Flughafen brach ein Drittel des Verkehrs weg, über 100.000 Passagiere, die die Lufthansa alleine gebracht hat. Das war das Rückgrat des Flughafens.
Man hat sich die letzten zwanzig Jahre sehr darauf ausgeruht, dass es diesen Platzhirsch gab. Das hat andere Verkehre vielleicht abgehalten.
Wenn man sich nur auf einen konzentriert und der dann wegbricht, ist alles erst mal in der Schwebe. Wir haben uns deshalb mit dem Marketingteam darauf fokussiert, jedweden Verkehr herzuholen – egal ob Ryanair oder andere. Eine Hub-Anbindung neu aufzubauen hat die allerhöchste Priorität.
Mit Air Uniqon startete zuletzt eine neue Airline am Flughafen Friedrichshafen. Welche Verbindungen werden angeboten?
Air Uniqon fliegt nach Hamburg, Düsseldorf und Berlin. Das sind wichtige innerdeutsche Verbindungen für die Wirtschaft hier.
Wir hatten kürzlich zum Beispiel die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen hier – die sind das Aushängeschild der Stadt. Die trainieren nebenan und waren total glücklich, dass sie nun nach Düsseldorf fliegen. Die sind einfach von ihrer Trainingsstätte nach dem Training hier rübergelaufen und ins Flugzeug gestiegen.
Wie kam die Zusammenarbeit mit Air Uniqon zustande und welche Rolle spielt die regionale Wirtschaft dabei?
Die Wirtschaft beteiligt sich an diesem Projekt. Das ist wirklich dringend notwendig.
Die Kollegen und Mitarbeitenden der großen Firmen, die hier ansässig sind, aber natürlich auch Privatpersonen, die mal wieder ihre Familie in Hamburg besuchen möchten – denen wollen wir als öffentliche Infrastruktur ein Angebot bieten.
