Bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen King Chalid in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad sind am Samstag zwölf Menschen getötet worden. Das teilte die staatliche Luftfahrtbehörde mit. Weitere 309 Menschen seien verletzt worden, einige schwebten in Lebensgefahr. Der Flugbetrieb wurde eingestellt, alle Flüge wurden umgeleitet.
Die Luftfahrtbehörde sprach zudem von Sachschäden, deren Ausmaß noch geprüft werde. Unter den Toten sind nach ihren Angaben vier Saudi-Araber und acht Menschen aus anderen Ländern, darunter ein US-Bürger.
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition machte die Huthi für den Angriff verantwortlich. Der Angriff auf eines der Passagierterminals sei ein "regelrechtes Kriegsverbrechen", schrieb ihr Sprecher Turki al-Maliki auf X. Er kündigte eine entschiedene Reaktion an.
Der Angriff forderte die meisten Todesopfer in Saudi-Arabien seit Beginn des Iran-Kriegs, den die USA und Israel Ende Februar begonnen hatten. Seither ist auch der Konflikt im Jemen wieder eskaliert.
Die Huthi-Miliz im Jemen riet Fluggesellschaften derweil, saudi-arabische Flughäfen und den Luftraum des Königreichs zu meiden. Auch Touristen und Geschäftsleute warnte die Miliz vor Reisen über saudi-arabische Flughäfen. Diese seien "legitime Ziele", erklärte Militärsprecher Jahja Sari.
Den saudi-arabischen Luftraum hatte die Miliz bereits zuvor zum Gebiet militärischer Operationen erklärt. Zu dem Angriff vom Samstag bekannte sie sich zunächst nicht. Der Leiter ihres Medienbüros schrieb auf der Plattform X allerdings, die Gruppe habe den Flughafen "stillgelegt".
Dritter Angriff auf den Flughafen binnen einer Woche
Nach Angaben eines Augenzeugen schlug mindestens ein Geschoss am Inlandsterminal ein. Ein verletzter Reisender berichtete, er habe ein Flugobjekt am Himmel gesehen. Danach sei nahe einem Abfluggate ein Teil der Decke eingestürzt. Eine Vorwarnung gab es nicht.
Es war bereits der dritte Angriff auf saudi-arabische Flughäfen in dieser Woche. Am Mittwoch waren bei Angriffen auf die Flughäfen von Riad und Abha drei Menschen getötet worden, einer davon in Riad. Am Donnerstag starben in Riad nach Angaben der Luftfahrtbehörde drei saudi-arabische Staatsbürger. Eine abgestellte Maschine der Saudia geriet dabei an einem Terminal in Brand und wurde schwer beschädigt. Saudia teilte mit, bei dem Vorfall sei ein Mitarbeiter ums Leben gekommen.
Am Samstag schlug nach Angaben der Militärkoalition zudem ein Geschoss in der Nähe des internationalen Flughafens von Dammam an der Ostküste ein.
Bereits nach den früheren Angriffen hatten mehrere Fluggesellschaften ihre Verbindungen nach Riad ausgesetzt oder Flüge gestrichen. Die Airlines der Lufthansa Group fliegen bis einschließlich 16. Oktober nicht nach Riad, auch Air India hatte ihre Flüge dorthin ausgesetzt.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte Airlines am Freitag empfohlen, weitere Teile des saudi-arabischen Luftraums zu meiden. Sie nahm dafür ein zusätzliches Gebiet im Nordwesten des Landes in ihr Bulletin zur Konfliktzone auf, das erstmals Ende September erschienen war. Die jüngsten Angriffe hätten gezeigt, dass die Huthi auch Ziele tief im saudi-arabischen Gebiet treffen könnten, teilte die EASA mit.
Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Saudi-Arabien ab
Deutschland und andere westliche Staaten raten von der Nutzung des Flughafens Riad ab. Das Auswärtige Amt empfiehlt zudem, derzeit generell nicht nach Saudi-Arabien zu reisen. Mehrere westliche Botschaften rieten ihren Beschäftigten nach Angaben eines Diplomaten, den Flughafen zunächst eine Woche lang zu meiden.
Die US-Botschaft in Riad forderte alle US-Bürger auf, den Flughafen und seine Umgebung zu meiden. Mitarbeiter der US-Regierung benötigen demnach eine Sondergenehmigung, um die Flughäfen von Riad, Dschidda und Dammam zu nutzen. An allen größeren Flughäfen des Landes rät die Botschaft zu äußerster Vorsicht.
Die Angriffe treffen Saudi-Arabien kurz vor großen Energie- und Investitionskonferenzen in Riad, zu denen zahlreiche Wirtschaftsvertreter aus dem Ausland erwartet werden. Die Veranstalter hatten noch vor dem Angriff vom Samstag erklärt, an den Terminen festzuhalten.
USA prüfen Beteiligung an Angriffen auf Huthi
Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die die international anerkannte Regierung des Jemen gegen die Huthi unterstützt. Ein 2022 geschlossener Waffenstillstand zerbrach im Sommer, die Huthi eroberten daraufhin die Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer.
US-Präsident Donald Trump sagte, die USA prüften eine Beteiligung an den saudi-arabischen Angriffen auf die Huthi. "Wir werden es uns ansehen", sagte er vor dem Weißen Haus. "Wir handeln sehr schnell."
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Angriff als "gefährliche Eskalation". Solche Attacken destabilisierten wichtige Transport- und Energieknotenpunkte, erklärte sie. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst schockiert".
