Die pro-iranische Huthi-Miliz hat nach Angaben ihres Sprechers Jahja Saree den wichtigsten internationalen Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad mit einer ballistischen Rakete angegriffen. Dem Branchendienst "Flightradar24" zufolge wurden mehrere hundert Flüge gestrichen. Am Mittwoch waren bei Angriffen auf mehrere internationale Flughäfen in Saudi-Arabien drei Menschen getötet worden.
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten werden die Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe ihre Flüge nach Riad bis einschließlich 16. Oktober aussetzen", teilte die Lufthansa mit.
Saree erklärte im Onlinedienst X, die Rakete habe ihr Ziel "präzise" getroffen und den Flughafenbetrieb "beeinträchtigt". Zudem warnte er vor Flügen nach Riad. "Wir erneuern letztmalig unseren Aufruf und unsere Warnung an alle internationalen Fluggesellschaften, keine Flüge mehr durch den saudiarabischen Luftraum auszuführen", schrieb er.
In Riad waren am Morgen nach Angaben von Augenzeugen vier aufeinanderfolgende Explosionen zu hören. Aus saudi-arabischen Sicherheitskreisen hieß es, Trümmer abgefangener Raketen seien auf ein Terminalgebäude des Flughafens gefallen. Den Behörden zufolge beschädigten Trümmer einer abgeschossenen Rakete zudem einen Kindergarten und eine medizinische Einrichtung in Riad.
Am Flughafen Riad stieg nach Angaben eines Augenzeugen und dreier mit der Sache vertrauter Personen Rauch von einem abgestellten Flugzeug auf. Eine unmittelbare offizielle Bestätigung der saudi-arabischen Behörden gab es zunächst nicht. Das Flugzeug soll nach Angaben der drei Personen zu diesem Zeitpunkt leer gewesen sein.
Angriffe auf Flughäfen in dieser Woche
Es war das dritte Mal in dieser Woche, dass die Miliz einen Angriff auf den Flughafen für sich reklamierte. Bei den Angriffen am Mittwoch auf die Flughäfen in Riad und in der südlichen Stadt Abha kamen nach Angaben der saudi-arabischen Zivilluftfahrtbehörde drei Menschen ums Leben, einer am Flughafen König Chalid in Riad und zwei in Abha. 36 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Behörde mit. Sie seien mit "leichten bis schweren" Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden.
Die Militärkoalition machte die Huthis direkt für die Angriffe verantwortlich. Die Angriffe der Miliz auf Zivilisten und zivile Einrichtungen im Königreich würden "nicht ungestraft bleiben", erklärte die Koalition im Onlinedienst X. Nach eigenen Angaben griff sie daraufhin 82 "legitime militärische Ziele" an und zerstörte sie. Dazu zählten demnach Einrichtungen der Miliz für ballistische Raketen in den Bergen, Kommando- und Kontrollzentren sowie Kommunikationssysteme.
Neue Kämpfe im Jemen seit Juli
Im September hatten die Huthis die Kontrolle über große Teile der westjemenitischen Küste übernommen. Zudem hatten sie verstärkt Tanker, Ölanlagen und Flughäfen in Saudi-Arabien angegriffen. Zuletzt starteten die Regierungstruppen im Jemen nach eigenen Angaben eine Angriffswelle gegen die Miliz. Der international anerkannten Regierung zufolge wurden Huthi-Kämpfer aus strategisch wichtigen Gebieten am Roten Meer sowie aus der Hafenstadt Mocha vertrieben.
Seit der Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen der Miliz und den Regierungstruppen im Juli wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 200.000 Menschen vertrieben. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) erklärte am Mittwoch, 201.217 Menschen hätten ihre Heimat verlassen müssen. 197.755 von ihnen seien seit Anfang September vertrieben worden.
Die Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien unterstützt die jemenitischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Miliz.