Der Flughafen Lübeck baut ein Remote Tower Control Center, um andere norddeutsche Flughäfen fernzusteuern. Das System soll es ermöglichen, Airports wie Sylt oder Heringsdorf von Lübeck aus zu kontrollieren, wie Geschäftsführer Jürgen Friedel im Interview mit airliners.de sagte.
Vor rund einem Jahr hatte der Airport ein entsprechendes System beim Anbieter Triac bestellt. Nach der Übergabe der Räumlichkeiten im Mai läuft nun die Installation.
Das Remote Tower Center wird in ein neues Gebäude direkt am Flughafenterminal integriert. Dort entstehen auch Verwaltung, Restaurant, Konferenzräume und der neue Kontrollturm. Ein Kongresszentrum für bis zu 400 Personen soll das Angebot ergänzen.
Friedel sieht in der Remote-Technologie erhebliche Effizienzvorteile. "[An kleineren Airports] entstehen natürlich immer Leerzeiten, welche in Zukunft durch ein Multi-Remote-Tower System maßgeblich reduziert werden können", sagte er. Besonders bei Flughäfen mit starker Saisonalität und geringem Verkehrsaufkommen biete sich der Einsatz an.
Die Kooperation mit Oberpfaffenhofen ist bereits vorbereitet. Lotsen aus dem bayerischen Remote Tower Center der Triac erhalten so auch eine Lizenz für Lübeck. Somit kann Lübeck auch von Oberpfaffenhofen aus gesteuert werden und umgekehrt.
Triac ist ein Joint Venture der österreichischen Austro Control und der Triwo AG. Austro Control betreibt als Flugsicherungsprovider acht Tower in Deutschland. Das System unterscheidet sich durch das Konzept des "free seatings" von anderen Anbietern – grundsätzlich lässt sich jeder angeschlossene Flughafen von jedem Standort aus steuern, erklärte Friedel.
Der neue Komplex soll Anfang nächsten Jahres weitgehend fertiggestellt werden. Lübeck treibt das Projekt seit rund drei Jahren rein privat finanziert voran. Dies verschaffe entscheidende Vorteile bei der Umsetzung, so Friedel.