Die Betreibergesellschaft des Flughafens Bremen droht nach Informationen der Regionalsendung "Buten un Binnen" von "Radio Bremen" eine ernste Finanzkrise. Die vom Flughafen beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe demnach schon im Juni vor einem drohenden Liquiditätsengpass gewarnt. Im ungünstigsten der vom Aufsichtsrat diskutierten Szenarien drohe der Gesellschaft bereits Mitte 2027 die Insolvenz.
Der Aufsichtsrat habe deshalb vorgeschlagen, für die Übergangszeit einen externen Interims-Geschäftsführer zu berufen, der ein Sparprogramm durchsetzt. Ein Teil der insgesamt rund 500 Arbeitsplätze bei der Flughafengesellschaft könnte demnach wegfallen oder an externe Dienstleister ausgelagert werden.
Kai Stührenberg (Linke), der als Staatsrat zuständig und zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, bestätigte auf Anfrage des Senders die angespannten wirtschaftlichen Verhältnisse. Zu konkreten Zahlen und dem internen Ablauf der Beratungen äußerte er sich zunächst nicht, weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.
Ein strukturelles Defizit belaste die Flughafengesellschaft, räumte Stührenberg ein. Als Gründe führte er mehrere Faktoren an: rückläufige Passagierzahlen, gestiegene Standortkosten etwa durch Luftverkehrsteuer und Luftsicherheitsabgaben, die angespannte geopolitische Lage, die schwache konjunkturelle Situation in Deutschland sowie höhere Tarifabschlüsse.
Die scharfen EU-Beihilferegeln verbieten es dem Land Bremen, das Defizit einfach aus dem eigenen Haushalt zu decken. Nach Angaben des Staatsrats verfolgt die Flughafengesellschaft deshalb mehrere Ansätze zugleich. Sie verkauft Grundstücke, senkt mit dem Bau von Photovoltaikanlagen ihre Energiekosten und treibt seit Monaten das interne Sparprogramm "BreStart" voran.
Zudem verhandelt sie mit der Lufthansa über eine Rückkehr der eingestellten Frankfurt-Verbindung und prüft, ob das Land die Luftsicherheitskontrollen künftig anstelle des Bundes selbst organisieren könnte.
Sparprogramm hat bereits Millionen eingebracht
Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats verlautete, das strukturelle Minus liege inzwischen über 13 Millionen Euro. Etwa 4,1 Millionen Euro davon habe man laut Stührenberg über das Sparprogramm bereits eingespart, weitere Schritte seien bereits beschlossen. Entlassungen sind laut Stührenberg derzeit nicht vorgesehen. Frei werdende Stellen würden lediglich einzeln daraufhin geprüft, ob und in welcher Form eine Nachbesetzung sinnvoll ist.
Stührenberg begründete die Suche nach einer externen Führungskraft auf Zeit damit, dass der laufende Sparkurs erhebliche zusätzliche Kapazitäten binde, während parallel etwa die Gespräche mit den Fluggesellschaften weitergeführt werden müssten.
Innerhalb des Aufsichtsrats gilt es inzwischen als kaum noch vermeidbar, dass die Flughafengesellschaft in den nächsten Jahren in eine Insolvenz in Eigenregie geht. Ein solcher Schritt würde aus dieser Sicht sogar dabei helfen, schärfere Sparmaßnahmen durchzusetzen und die Flughafengesellschaft finanziell wieder zu stabilisieren.