Die FAA erlaubt es Boeing wieder, Lufttüchtigkeitszertifikate für sämtliche Baureihen der 737 Max sowie für die 787 eigenständig auszustellen. Die US-Luftfahrtbehörde teilte mit, die Entscheidung folge auf eine monatelange, gründliche Prüfung von Daten und Sicherheitsstandards, die eine gleichbleibende Produktionsqualität bei Boeing belege. Wie "Reuters" zuerst berichtete, spiegelt der Schritt das Vertrauen der FAA in die Fähigkeit Boeings wider, Zertifikate unter behördlicher Aufsicht auszustellen.
Die FAA hatte Boeing die Berechtigung, einzelne Maschinen der 737 Max selbst freizugeben, im Jahr 2019 nach dem zweiten tödlichen Absturz einer 737 Max in Äthiopien entzogen. Für die 787 galt der Entzug seit 2022 wegen Qualitätsproblemen in der Fertigung. Bereits im vergangenen September hatte die Behörde Boeing erlaubt, im Wechsel mit der FAA wochenweise Zertifikate für 737-Max- und 787-Maschinen auszustellen.
Nach Angaben der FAA habe man in den vergangenen acht Monaten bei den von Boeing ausgestellten Zertifikaten vergleichbare Ergebnisse bei der Produktionsqualität festgestellt wie bei jenen, die die Behörde selbst ausgestellt habe. Die FAA kündigte zugleich an, Inspektionen, Audits und die Überwachung des Produktionssystems von Boeing fortzusetzen. Boeing erklärte, man werde weiterhin unter Aufsicht der FAA sichere, hochwertige Verkehrsflugzeuge bauen, die alle Anforderungen der Lufttüchtigkeitszertifizierung erfüllten.
FAA-Chef Bryan Bedford sagte in einem "Reuters"-Interview, Boeing mache deutliche Fortschritte. Ziel sei es nicht, die regulatorischen Anforderungen an Boeing aufzuweichen, sondern im Entscheidungsprozess stärker zusammenzuarbeiten, so Bedford.
Produktion soll weiter steigen
Die Entscheidung der FAA fällt in eine Phase, in der Boeing die Produktion der 737 Max erhöhen will. Die Behörde hatte im vergangenen Jahr die monatliche Produktionsobergrenze für den Hersteller auf 42 Maschinen angehoben und damit eine zuvor geltende Grenze von 38 Maschinen aufgehoben. Diese Beschränkung war nach einem Zwischenfall mit einer 737 Max 9 von Alaska Airlines im Januar 2024 verhängt worden, bei dem ein sogenannter "Door Plug" während des Flugs herausgebrochen war und der weitreichende Sicherheits- und Qualitätsmängel in der Fertigung offengelegt hatte.
Bedford erklärte im Mai, die Behörde unterstütze Boeings Entscheidung, die Produktion auf 47 Maschinen pro Monat zu erhöhen, und rechne mit weiteren Anträgen des Herstellers auf zusätzliche Steigerungen. Zudem geht Bedford davon aus, dass die 737 Max 7 in diesem Sommer zertifiziert wird und die größere 737 Max 10 noch vor Jahresende die Zulassung erhält.
Die 737 Max 7 ist eine verkürzte Version der bereits im Einsatz befindlichen Baureihen 737 Max 8 und 737 Max 9, die zusammen bereits Zehntausende Flugstunden absolviert haben. Verzögerungen bestehen bei Boeing weiterhin bei der Zertifizierung des Großraumflugzeugs 777X.
Ziel: 52 Maschinen pro Monat
Am Rande der Luftfahrtmesse in Farnborough bekräftigte Boeing seine Ausbaupläne. Stephanie Pope, Chefin der Verkehrsflugzeugsparte bei Boeing, sagte, das Unternehmen konzentriere sich derzeit darauf, das im Mai genehmigte Niveau von 47 Maschinen pro Monat zu stabilisieren. Sei dieses Ziel erreicht, solle die Produktion auf 52 Flugzeuge im Monat gesteigert werden; über weitere Schritte werde man danach entscheiden, so Pope.
Der Fokus des Konzerns liege auf der Messe auf der Steigerung und Verbesserung der Flugzeugproduktion und nicht auf der Ankündigung neuer Aufträge, erklärte Pope weiter. Die Auftragsbücher seien extrem voll, die Nachfrage sei nicht das Problem. Vorrangiges Ziel in Farnborough sei es stattdessen, Kunden und Zulieferern zuzuhören, um deren Herausforderungen besser zu verstehen.