Die Übernahme der Easyjet durch den US-Finanzinvestor Apollo Global Management soll Anfang 2027 abgeschlossen sein. Damit rechnet Vorstandsvorsitzender Kenton Jarvis, wie er am Donnerstag am Rande eines Treffens des Airline-Verbands Airlines for Europe (A4E) in Brüssel im Gespräch mit "Bloomberg" sagte. Die Transaktion hat ein Volumen von 5,7 Milliarden Pfund (6,7 Milliarden Euro).
Widerstand von Seiten der Aktionäre erwartet Jarvis nicht. "Ich sehe in der Stimmung der Aktionäre kein echtes Hindernis", sagte er. Wie die Aufsichtsbehörden entscheiden, müsse man dagegen abwarten. Die formalen Übernahmeunterlagen für die Anteilseigner, das sogenannte Scheme Document, sollen am 15. Oktober erscheinen.
Für das Fremdkapital von 3,5 Milliarden Pfund bevorzugt Apollo offenbar Kredite, die mit Easyjet-Flugzeugen besichert sind. Das berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf Insider. Demnach könnte der Finanzinvestor das Paket ganz oder zum größten Teil über solche Darlehen und weitere durch die Flotte gedeckte Schulden aufbringen. Eine Kombination mit Anleihen sei aber weiterhin möglich.
Ursprünglich hatte Apollo erwogen, 900 Millionen Pfund über variabel verzinste, auf Euro lautende Anleihen einzusammeln. Weitere 2,6 Milliarden Pfund sollten über vorrangig besicherte Anleihen in Pfund, Euro und US-Dollar fließen. Weil der Markt für Hochzinsanleihen schwächelt und die Renditen von Staatsanleihen gestiegen sind, gilt die flugzeugbesicherte Variante nach Angaben der Insider inzwischen als vergleichsweise günstiger. Die Banken, die die langfristige Finanzierung arrangieren, wollen das Paket demnach Ende des Jahres oder Anfang 2027 platzieren.
Als Zwischenfinanzierung hatten Barclays, Crédit Agricole CIB, Citibank, Standard Chartered und Lloyds zunächst eine Brückenfazilität über 3,5 Milliarden Pfund für vorrangig besicherte Anleihen sowie eine revolvierende Kreditlinie über 1,3 Milliarden Pfund zugesagt. Später schlossen sich weitere Institute an. Apollo, Crédit Agricole und Easyjet wollten sich gegenüber "Bloomberg" nicht äußern.
Weniger Sitze im Winter
Unabhängig von der Übernahme streicht Easyjet wegen gestiegener Treibstoffkosten in diesem Winter bis zu 700.000 Sitze aus dem Angebot, wie Jarvis sagte. Sollten die Kerosinpreise weiter anziehen, würden auch die Ticketpreise steigen, warnte er.
Apollo hatte sich im August nach einem einmonatigen Bieterverfahren mit Easyjet auf die Übernahme geeinigt, nachdem der Konkurrent Castlelake sein Interesse zurückgezogen hatte. Nach Angaben von Jarvis behält die Airline ihren Namen. Gründer Stelios Haji-Ioannou, dessen Familie 15,3 Prozent der Anteile hält, soll nach Abschluss eine Funktion im Board erhalten.
Da Apollo ein US-Unternehmen ist, muss der Deal so gestaltet sein, dass Easyjet die britischen und europäischen Vorgaben zu Eigentum und Kontrolle von Fluggesellschaften weiterhin erfüllt. Die vereinbarten Bedingungen tragen dem Rechnung.
Mit dem Kauf übernimmt Apollo die Kontrolle über die Easyjet-Flotte aus Flugzeugen der Airbus-A320-Familie, über Slots an kapazitätsbeschränkten Flughäfen wie London, Mailand-Malpensa und Genf sowie über das Pauschalreisegeschäft der Airline.
