Amerika-Destinationen liegen im Trend - zum Beispiel bei den deutschen Fluggesellschaften Air Berlin, Condor und Eurowings. Das zeigen zahlreiche Mitteilungen der genannten Unternehmen, die sich auf die Netzwerkplanung beziehen. Warum ist der amerikanische Kontinent aus Airline-Sicht so interessant?
"Das LTU-Erbe über den Atlantik ist etwas, worauf wir bauen können", sagt Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Dazu kommt: "Der am stärksten umkämpfte Markt im Langstreckenverkehr ist der zwischen Europa und Südostasien." Auf diesen Strecken "ist der Preiskampf mit den Zielgebietscarriern, Turkish Airlines und den Golf-Carriern knallhart", so der Manager.
Strecken mit Wachstumspotential
Eine Alternative wäre Afrika. Aber auch dort hätten sich bereits die Golf-Airlines breitgemacht, sagt Luftfahrt-Professor Christoph Brützel im Gespräch mit airliners.de. Bleibt also Amerika.
Der Run auf die Nordatlantikstrecken beziehe sich auf touristische Ziele, also Destinationen, die nicht von Netzcarriern bedient würden, so Brützel. "Die Netzcarrier haben sich auf Flughäfen konzentriert, an denen ebenfalls Netzcarrier beheimatet waren", um Umsteigeflüge zu ermöglichen.
| in Prozent | |
|---|---|
| Lufthansa | 45 |
| United | 13 |
| Air Berlin | 13 |
| Condor | 8 |
| Air Canada | 7 |
| Delta | 6 |
| American | 4 |
| Eurowings | 3 |
| Singapore | 1 |
Marktanteile von Airlines bei Flügen von Deutschland nach Nordamerika. Als Referenz dienen die angebotenen Sitzplatzkapazitäten. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand 20. Juli 2017
"Auf den touristischen Strecken gab es eine Lücke für Ferienflieger", so der Professor. Insbesondere Condor habe damit bisher gut leben können, da kaum Konkurrenz drohte. Auf den klassischen Nordatlantikrouten der Netzcarrier gibt es laut Brützel inzwischen Überkapazitäten und es herrscht ein harter Wettbewerb. "Die touristischen Warmwassermärkte bieten noch Wachstumspotential."
Amerika-Strecken als Teil der Neu-Ausrichtung
Ein Potential, dass offensichtlich mehrere Unternehmen erkannt haben - zum Beispiel die Lufthansa Group. Für deren Billigtochter Eurowings machen schon jetzt die Amerika-Strecken mehr als zwei Drittel des Langstreckengeschäftes aus. Vor Kurzem hat die Airline ihr Amerika-Programm ab Köln/Bonn erweitert - und im kommenden Sommer soll auch die neue Langstreckenbasis in München mit Destinationen aus diesem Gebiet verbunden werden.
Aber auch Air Berlin setzt auf dieses Zielgebiet. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Umbaumaßnahmen, mit der die finanziell angeschlagene Fluglinie wieder auf Kurs kommen möchte. Darum wurden auch schon in diesem Jahr mehrere Strecken aufgenommen. Einige dieser Verbindungen sollen auch im kommenden Winterflugplan angeboten werden, außerdem hat die Airline Frequenzerweiterungen angekündigt und kürzlich einen neuen US-Partner gefunden.
Amerika-Trend macht sich in Düsseldorf bemerkbar
Der Flughafen Düsseldorf beobachtet einen Trend zu Nordamerika-Flügen. Dies gelte sowohl bei Geschäftsleuten als auch bei Urlaubern, so der Airport. "Bereits 2016 flogen mit fast 1,3 Millionen Menschen so viele Passagiere von Düsseldorf von und nach Amerika wie nie zuvor. Dies ist eine Wachstumsrate von rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", heißt es in einer Mitteilung. Der Airport Düsseldorf ist eines von zwei Drehkreuzen der Air Berlin.

Am Flughafen Düsseldorf stehen Maschinen verschiedener Fluggesellschaften. Foto: © dpa, Federico Gambarini