Nach der unfreiwilligen Übernachtung Hunderter Passagiere in Flugzeugen am Münchner Flughafen haben der Airport und die Lufthansa Fehler eingeräumt. "Wir haben das nicht gut hingekriegt", sagte Thomas Hoff Andersson, Geschäftsführer Aviation und Operation der Flughafen München. Er entschuldigte sich bei den Passagieren und den Crews in den betroffenen Maschinen.
Insgesamt hätte es in jener Nacht mehrere Möglichkeiten gegeben, die Situation mit Notfallmaßnahmen zu beheben, das sei aber nicht geschehen.
"Wir haben in dieser Nacht Fehler gemacht", sagte auch Heiko Reitz, zuständiger Bereichsvorstand von Lufthansa. "So etwas darf nicht passieren." Er sieht drei Gründe für die unfreiwillige Übernachtung der Passagiere im Flugzeug: Die Wettersituation sei außergewöhnlich schwierig gewesen, dann hätten zu wenig Busfahrer zur Verfügung gestanden, weil falsch priorisiert worden sei. Und schließlich habe man sich fälschlicherweise gegen eine Eskalation entschieden und dagegen, beispielsweise die Flughafenfeuerwehr zu alarmieren.
Da keine Gefahr für die Passagiere bestanden habe, habe nicht automatisch ein Notfallplan gegriffen. Auch Hoff Andersson sprach von einer "Verkettung mehrerer Umstände".
Sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen
Insgesamt waren laut Flughafen in der Nacht zum Freitag vergangener Woche sechs Flüge mit rund 600 Passagieren betroffen, die bereits an Bord waren und eigentlich starten sollten. Als die Flugzeuge dann wegen des starken Schneefalls wider Erwarten doch nicht abheben durften, fehlten Busse, um die Fluggäste ins Flughafengebäude zurückzubringen.
Zwischen Mitternacht und 5:00 Uhr morgens gilt in München die Nachtflugregelung. Um dennoch möglichst viele Flüge zu ermöglichen, sei in der Nacht eine Sonderfluggenehmigung eingeholt worden, sodass Flugzeuge noch bis 1:00 Uhr starten konnten. Wegen des massiven Schneefalls konnten die betroffenen sechs Flieger in dem Zeitfenster nicht abheben.
Feuerwehr-Gewerkschaft kritisiert ausgebliebene Alarmierung
Der Bundesvorsitzende der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, Siegfried Maier, kritisierte, "dass es nicht zu einer Alarmierung der Flughafenfeuerwehr gekommen ist". Wäre sie zum Einsatz gekommen, hätten die Einsatzkräfte dafür gesorgt, dass die Passagiere aussteigen können. "Ein Notausstieg und Transport in ein Gebäude wäre vielleicht nicht für alle Betroffenen zeitgleich zu realisieren, aber möglich gewesen", sagte er. Dazu hätten beispielsweise auch Fahrzeuge von Feuerwehr und Bundespolizei genutzt werden können.
Die Staatsanwaltschaft Landshut hat einen Prüfvorgang angelegt und beschäftigt sich derzeit mit einem Polizeibericht über den Vorfall. Die Polizei war tätig geworden, nachdem ein "wohl unbeteiligter Dritter" eine Prüfung der Vorgänge angeregt hatte, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Der Antrag sei über ein Kontaktformular beim Landeskriminalamt in München eingegangen. Anzeigen von betroffenen Passagieren gingen nach Polizeiangaben zunächst nicht ein.
Konsequenzen und Entschädigung
Eine Erkenntnis aus der Nacht in der vergangenen Woche: Der Flughafen München und Lufthansa betreiben trotz des Joint Ventures kein gemeinsames Operations Center. Dementsprechend waren Absprachen untereinander auch nicht so leicht möglich. Das soll sich jedoch ändern, wie beide Partner ankündigten.
Künftig soll es "klare Vorgaben geben, wenn Eskalationen auf die nächste Führungsebene erfolgen müssen", sagte Hoff Andersson. Außerdem wollen der Flughafen und die Lufthansa in solchen Fällen noch enger kooperieren.
Fünf der sechs betroffenen Flüge zählten zur Lufthansa Group. Die Airline hatte bereits mitgeteilt, dass die Betroffenen eine finanzielle Entschädigung erhalten sollen. Reitz rief Betroffene auf, die über Drittanbieter gebucht haben, sich bei der Airline zu melden.