Der türkische/niederländische Ferienflieger Corendon Airlines fliegt ab dem 14. Dezember dreimal wöchentlich von Düsseldorf nach Curaçao. Über den 4. April 2027 hinaus gibt es nach Angaben von Vertriebschef Paul Schwaiger bisher aber noch keinen Plan für die Verbindung.
Ob dabei auch die Pläne der Tui Airlines eine Rolle spielen, ist offen. Denn egal, wie die Corendon-Entscheidung ausfallen wird: Düsseldorf behält die Karibikstrecke erstmal trotzdem. Zumindest über den Sommer. Dann nimmt nämlich Tui eine eigene Langstreckenverbindung von Düsseldorf nach Curaçao auf. Eine Boeing 787 der niederländischen Tuifly soll dann zweimal wöchentlich fliegen, wie die Konzern-Airlines am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Sommerprogramms in Hannover mitteilten.
Corendon hat laut Schweiger noch nicht endgültig entschieden ist, ob die für nicht einmal vier Monate angebotene Strecke im Winter 2027/28 erneut aufgenommen wird. Nach dem Ende der Saison werde es eine Evaluierung geben, sagte Schwaiger gegenüber airliners.de.
Das Ergebnis der Evaluierung dürfte ganz entscheidend von der Entwicklung der Kerosinpreise abhängen, die derzeit der Branche stark zu schaffen machen. "Üblich waren 750 bis 800 US-Dollar pro Tonne Kerosin", stöhnt Schwaiger, "jetzt sind wir bei über 1500 Dollar, das ist gravierend."
Ein A330-Unikat auf der Karibikroute
Zum Einsatz kommt bei Corendon auf der Route ein besonderes Flugzeug, dass es in dieser Konfiguration nur einmal gibt: Der Airbus A330-300 mit dem Kennzeichen EC-OHV der spanischen Ferienflug- und Wetlease-Gesellschaft "World2Fly", einer Tochter der Hotelkette Iberostar. Der zwölf Jahre alte Zweistrahler flog bis 2020 fünfeinhalb Jahre für Singapore Airlines, war dann viereinhalb Jahre in den USA in der Wüste geparkt bis zur Ablieferung an "World2Fly" im Oktober 2024.
Dort fliegt die "Hotel Victor "seitdem Urlauber in der Originalkabine von Singapore Airlines, inklusive 30 Sitzen in der Business Class in 2-2-2-Anordnung, die sich zu fast flachen Betten mit 170 Grad Neigung ausfahren lassen. Für den Langstrecken-Ferienflug über den Atlantik ein hochwertiges Premiumprodukt, das allerdings eigene Probleme aufwarf: "Unser Reservierungssystem ist für Ferienflüge ausgelegt und kannte zunächst eine solche Business Class nicht, das haben wir jetzt gelöst und der Verkauf der vorderen Sitze zieht an", so Schwaiger.
Ein Problem könnte es dann geben, wenn das Flugzeug-Unikat mal durch technische oder andere Unregelmäßigkeiten nicht wie geplant einsatzbereit ist. Zwar betont Paul Schwaiger, eine weitere A330 mit der gleichen Kabine stünde als Backup bereit, allerdings belegen alle einschlägigen Branchenquellen, dass es die ex-SIA-Kabine unter den insgesamt drei A330 bei "World2Fly" nur einmal gibt.
Die spanische Gesellschaft betreibt auch eine ihrer drei A350 für Corendon Dutch Airlines, die niederländische Firmentochter setzt sie auf ihrer eigenen dicht beflogenen Strecke von Amsterdam nach Curaçao ein, allerdings in enger Einheits-Economybestuhlung mit 432 Sitzen.
Airbus A350 von World2Fly mit Corendon-Sticker. © AirTeamImages.com / Mathias Dueber
Niederlande im Fokus
Was für Ferienflieger nach einem Wagnis klingt, hat in Wirklichkeit Netz und doppelten Boden: "Curaçao ab Düsseldorf ist für uns kein Abenteuer", sagt Paul Schwaiger, der Verkauf liefe gut – "aktuell kommen in Düsseldorf zwei Drittel der Buchungen aus den Niederlanden." Das mag überraschend klingen, ist aber Kalkül: Sowohl Curaçao, das als autonomes Land zum Königreich der Niederlande gehört, als auch Corendon als Fluganbieter dorthin, sind im Nachbarland etabliert.
Nicht nur für Tui, auch für Corendon, die einen Ableger in den Niederlanden hat, ist es die erste Langstrecke ab Deutschland. Ab Deutschland gab es die Route lange nicht. Condor hatte die Karibikinsel vor der Corona-Pandemie eine Saison lang bedient, Jahre zuvor war Air Berlin ebenfalls ab Düsseldorf auf der Strecke geflogen.
"Vielen Niederländern ist Amsterdam zu weit weg und teuer, Düsseldorf näher und günstiger, deshalb buchen die gern von dort", erklärt Schwaiger. Und gibt gegenüber airliners.de zu: "Ich hätte mich nicht getraut, ohne die niederländischen Kunden ab Düsseldorf nach Curaçao zu fliegen." Das klingt bei Tuifly ähnlich. Auch der große deutsche Ferienkonzern setzt auf der Strecke auf Kundschaft aus den benachbarten Niederlanden.
Die Verbindung war zumindest bei Corendon ein Schnellschuss. Die Planung dafür habe erst im Juni begonnen, ganz anders, als es Schwaiger von Condor kennt, wo er bis 2022 sechs Jahre lang Verkaufschef war: "Da dauerte es mindestens neun Monate, um eine neue Langstrecke aufzubauen, seit der Pandemie buchen die Kunden aber auch viel kurzfristiger, dafür zu höheren Preisen", so Schwaiger. Um auf ein neues Angebot wie dieses zu reagieren, brauche der deutsche Markt deutlich länger als etwa in den Niederlanden, weiß Schwaiger, dort würden auch 90 Prozent aller Buchungen online getätigt, während es in Deutschland bisher nur 50 Prozent seien, der Rest buche im Reisebüro.
Kerosinpreise bremsen das Wachstum
Der Sommer war dieses Jahr durch den Irankrieg mit allen Folgen durchwachsen für Corendon. "März bis Juli waren in den Zielmärkten Türkei und Ägypten am schwierigsten und im Aufkommensmarkt Großbritannien", so der Vertriebschef. "In Deutschland gab es im zweiten Quartal Licht und Schatten, der Mai war gut und ab Mitte Juni ging es aufwärts, wir haben die Kapazität nur im April und Juni reduziert", so Schwaiger.
Boeing 737 von Corendon Airlines stehen nebeneinander auf dem Vorfeld. © Corendon Airlines
Die Bilanz fiel scheinbar ordentlich aus für Corendon, die im Sommer zwei Prozent Passagierzuwachs verzeichnete und dabei vier Prozent höhere Flugpreise durchsetzen konnte bei einem Umsatzplus von sieben Prozent. "In normalen Jahren hätten wir ein gutes Ergebnis gemacht, aber so frisst der Spritpreis alles weg", klagt Schwaiger. Deswegen tritt Corendon jetzt deutlich auf die Bremse.
Im kommenden Winterflugplan wächst das Angebot gegenüber dem Vorjahr zwar immer noch um sechs Prozent – "geplant waren eigentlich 50 Prozent mehr", so Schwaiger. Richtig fühlbar wird die schwierige Lage im Sommer 2027 mit 20 Prozent weniger Angebot als dieses Jahr. Bis Ende Oktober reduziert Corendon ihre (vollständig geleaste) Flotte von bisher 28 auf 21 Boeing 737.
Das hängt auch mit dem Preisverhalten der Leasinggesellschaften zusammen. "Die erste 737 Max 8, die in der Türkei geflogen ist, haben wir vor acht Jahren geleast, der Vertrag lief aus. Den würde man natürlich für so ein gutes Flugzeug verlängern", sagt Paul Schwaiger. "Leider ist die Max 8 aber total stabil bei den Leasingraten und die Firma will uns nicht entgegenkommen. Daher haben wir uns schweren Herzens zur Rückgabe entschlossen, das Flugzeug ist schon weg." Andere Leasinggeber hätten da weit mehr Goodwill gezeigt, etwa bei der vorzeitigen Rücknahme von Boeing 737-800 der Gesellschaft, "die 737-800 kann weiter gut vermarktet werden", weiß Schwaiger, "afrikanische Airlines sind große Abnehmer."
Auch die zwei im Sommer von Corendon im Wet Lease genutzten, litauisch registrierten und von Global Airways in Südafrika als Billigflieger Lift betriebenen Airbus A320 fliegen im beginnenden Süd-Sommer derzeit wieder am Kap. "Aber die kommen wieder zu uns danach und sind wegen ihrer herzlichen südafrikanischen Besatzungen sehr beliebt bei den Passagieren", so Paul Schwaiger. Bis Februar werde man prüfen, ob man die Flotte für den Sommer möglicherweise durch neue Leasingverträge doch wieder aufstockt, je nach Markt- und Weltlage.
Trotz der Kürzungen startet Corendon im Sommer 2027 ab 15. Mai neu achtmal wöchentlich nach Bulgarien und hat dabei sowohl deutsche Urlauber als auch bulgarische Reisende aus Deutschland auf Heimatbesuch im Fokus.
Dabei stehen zwei beliebte Schwarzmeerziele im Flugplan, jeweils zweimal wöchentlich geht es ab Köln/Bonn, Nürnberg und Stuttgart nach Varna, zusätzlich zweimal ab Köln/Bonn nach Burgas. Vor allem hier lebende Türken hat Corendon im Visier bei ihren je zwei neuen wöchentlichen Abflügen zur Hauptsaison ab 1. Juli 2027 von Düsseldorf und Köln/Bonn nach Istanbul zum Hauptflughafen, dem Hub von Turkish Airlines.