Im April 2005 startete der türkische Reiseveranstalter Corendon seine eigene Fluggesellschaft. Zwanzig Jahre später fliegt Corendon Airlines mit zwei Tochterfirmen in den Niederlanden und Malta zehn Millionen Passagiere mit insgesamt 35 Flugzeugen. Deutschland ist der wichtigste Markt der Gesellschaft, die so sehr aus der Breite startet wie keine andere: Insgesamt 18 deutsche Flughäfen fliegt Corendon in diesem Sommer hierzulande an. Von Lübeck bis Friedrichshafen, obwohl Bremen und Kassel als bisherige Ziele gestrichen wurden. Mitgründer und Firmenchef Yildiray Karaer berichtet im airliners.de-Interview am Rande der Jubiläumsfeier in Antalya, dass Inhaber bessere Airlinechefs sind, wie er mit Flotten-Flexibilität zwischen Indien und Südafrika starke Saisonschwankungen überwindet. Und warum Corendon für die einzige Langstrecke in die Karibik keine eigene A350 beschaffen will, sondern eine Alternative.
airliners.de: Glückwunsch zum 20. Geburtstag von Corendon Airlines. Sie haben Ihre Gesellschaft nach einem der härtesten Minerale Korund benannt. Hat das geholfen, zwei Jahrzehnte durchzustehen?
Yildiray Karaer: Ja, das waren manchmal harte Jahre mit politischen und Wirtschaftskrisen und dann noch einer Pandemie. Das Luftfahrtgeschäft scheint jedes Jahr schwieriger zu werden. Vielleicht sind 20 Jahre im Tourismus nicht viel, aber in der Luftfahrt ist das ein langer Zeitraum.
Vor 20 Jahren haben wir mit der türkisch registrierten Airline und Boeing-737-300-Jets begonnen, später kamen die 737-400 und -800 dazu. In der Türkei und in den Niederlanden waren wir dann die erste Airline, die die 737 Max 8 eingesetzt hat. In Holland haben wir heute drei Max 9 in der Flotte, unsere Max 8 sind in der Türkei registriert, während die 737-800 für die maltesische Tochter fliegen.
Heute sind alle Flugzeuge geleast, während der Pandemie haben wir aus finanziellen Gründen eigene 737 verkauft und zurückgeleast.
Was haben Sie in den zwei Jahrzehnten über das Luftverkehrsgeschäft gelernt?
Wenn Urlauber bei uns an Bord kommen ist es denen ziemlich egal, ob sie in einem Airbus oder einer Boeing fliegen, oder bei einer türkischen oder maltesischen Firma. Aber ihre Erwartungen sind hoch, weil sie in den Urlaub fliegen, und wir nennen uns ja Urlaubsairline. Alle Abteilungen von der Qualitätskontrolle bis zur Sicherheitsabteilung wissen, dass sie dem Kunden dienen und guten Service liefern müssen.
Das mussten wir erst lernen, denn bevor wir ins Airlinegeschäft eingestiegen sind, waren wir Reiseveranstalter. Wir hatten keine Airline-Gene.
Gab es Überraschungen für Sie beim Einstieg in die Airlinebranche?