Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat eine öffentliche Marktkonsultation zur geplanten Förderung von strombasiertem erneuerbarem Kerosin (E-SAF) gestartet. Für den Hochlauf des klimafreundlichen Kraftstoffs stellt das Ministerium bis zu zwei Milliarden Euro bereit, wie das BMV mitteilte. Ziel sei es, Investitionshemmnisse abzubauen und die industrielle Produktion von E-SAF in Deutschland voranzutreiben.
E-SAF – auch als Power-to-Liquid-Kerosin bezeichnet – wird aus grünem Wasserstoff und nachhaltigem Kohlenstoff hergestellt. Der Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom, der Kohlenstoff stammt aus biogenen oder anderen nachhaltigen Quellen. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet kann das Kerosin weitgehend klimaneutral sein. Für die Dekarbonisierung des Luftverkehrs gilt E-SAF vor allem auf der Langstrecke als eine der wenigen realisierbaren Optionen, da der Bedarf an flüssigen Energieträgern dort auf absehbare Zeit bestehen bleibt.
Kern des Förderdesigns ist ein Doppelauktionsmechanismus, der auf dem etablierten H2Global-Instrument basiert. Dabei schließt ein Intermediär langfristige Abnahmeverträge mit E-SAF-Produzenten sowie kurzfristige Verkaufsverträge mit Kraftstoffinverkehrbringern ab. Die Differenz zwischen dem wettbewerblich ermittelten Angebotspreis der Hersteller und dem niedrigeren Marktpreis gleicht der Intermediär mit den Fördermitteln aus. Das Modell soll Produzenten Planungssicherheit geben und gleichzeitig Preistransparenz für Abnehmer schaffen – zwei Faktoren, die bislang als zentrale Investitionshemmnisse gelten.
"Mit dem Start der Marktkonsultation nehmen wir einen wichtigen Schritt auf den Weg zur Förderung des Markthochlaufs von strombasiertem Kerosin", sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). "Die Förderung von E-SAF in einer frühen Phase des Markts schafft Planungssicherheit und Preistransparenz für die Marktteilnehmer. Zudem stärken wir langfristig die Resilienz Europas gegenüber knapper werdenden Rohstoffen."
Deutschland als Blaupause für europäische Early Movers
Das BMV-Programm ist das erste Förderprojekt im Rahmen der durch den Sustainable Transport Investment Plan (STIP) initiierten E-SAF Early Movers Coalition, an der sich weitere EU-Mitgliedstaaten beteiligen können. Deutschland soll dabei als Modell für ähnliche Programme in anderen Ländern dienen. Eine Beteiligung weiterer Staaten an der Förderung werde derzeit geprüft, hieß es.
Die Ergebnisse der Marktkonsultation fließen in die weitere Ausgestaltung der Förderung sowie in das beihilferechtliche Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission ein. Unternehmen und weitere Marktteilnehmer können ihre Einschätzungen bis zum 30. Juni über einen Online-Fragebogen einreichen, der in englischer Sprache verfügbar ist.