Beim Prozess in Litauen gegen fünf mutmaßliche Versender von Brandsätzen in Kurierpaketen ist durch die Befragung eines DHL-Vertreters deutlich geworden, wie knapp man im Juli 2024 einem Zwischenfall an Bord eines Frachtflugzeugs entkam.
Dass das Paket mit dem Brandsatz noch am Boden im DHL-Logistikzentrum am Flughafen Leipzig/Halle und nicht während des Fluges in Brand geriet, war laut dem Zeugen auf eine Verspätung der Maschine zurückzuführen.
"Wir hatten Glück, dass das Flugzeug Verspätung hatte. Es sollte um 5:30 Uhr abfliegen, und die Brandvorrichtung detonierte um 5:43 Uhr", sagte der DHL-Vertreter einem Bericht der Nachrichtenagentur "BNS" zufolge vor Gericht in Vilnius. Das Paket fing demnach kurz vor dem Verladen Feuer und setzte einen Frachtcontainer mit 140 Paketen in Brand.
Bei der Befragung erläuterte der DHL-Vertreter auch, wie zwei der vier mutmaßlich von den Angeklagten verschickten Brandsätze über den Kurierdienst versendet wurden. Einer entzündete sich am Flughafen Leipzig/Halle, der andere in einem Lagerhaus in Großbritannien.
"Bei unseren Untersuchungen stellten wir fest, dass beide Sendungen aus Vilnius verschickt wurden. Wir haben alle im Zuge der Untersuchung gesammelten Informationen an Litauen weitergeleitet", sagte der DHL-Vertreter laut "BNS".
Der Manager räumte ein, dass die vor den Vorfällen geltenden Sicherheitsmaßnahmen unzureichend waren: Die Pakete seien zwar geröntgt worden, die Brandvorrichtungen blieben aber unentdeckt. Die Vorkehrungen seien seither verschärft worden.
Anklage gegen fünf Männer wegen Terrorvorwürfen
Litauen hat Anklage gegen fünf Männer im Alter zwischen 23 und 69 Jahren erhoben, darunter Staatsbürger Russlands, der Ukraine und Litauens. Ihnen werden terroristische Handlungen und die Gründung einer organisierten terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Das Verfahren wurde aus einer umfassenderen Untersuchung abgetrennt, in der bisher 16 Verdächtige identifiziert wurden, die Pakete mit selbstgebauten Sprengsätzen über Kurierdienste in EU-Länder und nach Großbritannien versandt haben sollen.
Den litauischen Behörden zufolge wurden die Aktionen von Personen mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst organisiert.