Boeing plant, seine neue Produktionslinie für die Boeing 737 im Werk Everett ab Mitte des Jahres in Betrieb zu nehmen. Wie das Luftfahrt-Fachportal "Leeham News" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, soll die sogenannte North Line zunächst mit der Fertigung der Modelle 737 Max 8 und 737 Max 9 starten.
Die Inbetriebnahme der North Line markiert einen historischen Schritt für Boeing: Erstmals seit über 50 Jahren wird die 737 an einem anderen Standort als im Werk Renton im Bundesstaat Washington gefertigt. Die neue Linie ist in der ehemaligen Montagehalle für die Boeing 787 in Everett untergebracht.
Boeing führt derzeit informelle Gespräche mit der US-Luftfahrtbehörde FAA über die Aktivierung der Linie. Eine formelle Genehmigungsanfrage könnte bereits im März erfolgen. Die FAA muss sowohl die neue Produktionsstätte als auch die geplante Erhöhung der Fertigungsrate genehmigen. Die Zertifizierung der Max 10 verzögert sich weiter wegen ungelöster Enteisungsprobleme.
Vorbereitung auf Max 10
Die North Line ist langfristig für die Produktion der Boeing 737 Max 10 vorgesehen, des größten Modells der Max-Familie. Dieses Flugzeug wartet jedoch noch auf die Zulassung durch die FAA. Durch den früheren Start mit den bereits zertifizierten Varianten 737 Max 8 und 737 Max 9 können Mitarbeiter Erfahrung sammeln, bevor die Max 10 hinzukommt.
Das Personal für die North Line soll sich aus erfahrenen Mitarbeitern aus Renton, Neueinstellungen und bereits in Everett tätigen Beschäftigten zusammensetzen. Letztere haben bislang keine Erfahrung mit der 737-Fertigung.
Boeing will laut dem Bericht zunächst einige Monate stabilen Betrieb bei einer Produktionsrate von 42 Flugzeugen pro Monat in Renton abwarten, bevor die FAA-Genehmigung für die North Line beantragt wird. Die Behörde muss auch die geplante Erhöhung auf 47 Flugzeuge pro Monat genehmigen, die möglicherweise im zweiten Quartal erfolgen soll.
Kapazitätserweiterung geplant
Die Produktionskapazität im Werk Renton soll bei 47 Flugzeugen pro Monat begrenzt bleiben. Dies entspricht durchschnittlich 15,6 Flugzeugen pro Monat auf jeder der drei bestehenden Linien. Vor den Sicherheitskrisen, die mit dem Absturz einer Ethiopian-Airlines-Maschine im März 2019 begannen, fertigte Boeing in Renton 52 Flugzeuge monatlich.
Die North Line soll nach Angaben von "Leeham News" eine vergleichbare Kapazität wie die Renton-Linien erreichen. Dies würde Boeing eine Gesamtproduktion von 63 Flugzeugen pro Monat ermöglichen. Für das Jahresende 2026 strebt der Konzern eine Rate von 52 Flugzeugen pro Monat an.
Der Auftragsbestand für die 737 Max zeigt nach Angaben des Fachportals, dass das Programm für 2027 bei einer Rate von 52 Flugzeugen pro Monat ausverkauft ist. Ab 2028 sei eine Rate von 57 Flugzeugen pro Monat möglich. Boeing hatte im vergangenen Monat Großaufträge von Aviation Capital Group über 50 Maschinen und von Alaska Air Group über 105 Flugzeuge für die Modelle 737-8 und 737-10 erhalten.
In der ehemaligen 787-Halle in Everett ist Platz für eine zweite Montagelinie vorhanden. Boeing erwäge intern diese Möglichkeit, sollte künftig eine Produktionsrate von über 63 Flugzeugen pro Monat angestrebt werden, berichtet "Leeham News". Dies befinde sich jedoch noch im Stadium der Überlegungen.
Boeing lehnte eine Stellungnahme ab.