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Bewundernswert unverschämt

Das war die Woche die war: Statistiken zum Luftverkehr sind derzeit nichts für die Zartbesaitete. Unser Kolumnist Andrew Charlton sieht nunmehr drei Optionen für die weitere Zukunft unserer Branche. Aber Achtung: Behaupten ist nicht Beweisen.

Geld (Symbolfoto). © Adobe Stock / M. Schuppich

In der Luftfahrt gab es in letzter Zeit nicht viele gute Nachrichten. Hinter uns liegt nun eine Woche, in der die Branche von allen Seiten Realitätsdosen verabreicht bekam - unter anderem von einigen Abgeordneten des Europäischen Parlaments.

DWDWDW ("Das War Die Woche Die War")
28. September bis 02. Oktober 2020

Eurocontrol veröffentlicht regelmäßig Aktualisierungen der Verkehrszahlen. Vielleicht sollte die Webseite dazu so langsam mit einer Trigger-Warnung versehen werden, denn die Auswertungen sind derzeit nichts für die Zartbesaitete.

Den einzigen Lichtblick in Sachen Luftfahrtnachrichten scheint es derzeit im Bereich der UAMs zu geben, Urban Aerial Mobility Vehicles. UAMs sind fliegende Taxis und es gibt verschiedene toll klingende Abkürzungen dafür, je nachdem, welche Investoren man gewinnen will. In der Tat gibt es einige sehr interessante Investoren, die sich aktuell in dem Bereich engagieren. General Motors, Hyundai und Toyota, um nur einige derjenigen zu nennen, die kürzlich ihren Hut in den Ring geworfen haben.

Aber selbst hier muss Eurocontrol eine Dosis Realität in den Hype streuen. Am Montag veröffentlichte sie eine Übersicht über den Stand der Dinge in Bezug auf den "U-Space" in den Mitgliedsländern. Das ist immerhin der grundlegende Baustein zum Management des derzeit unkontrollierten Luftraums - und damit auch des bislang komplett unkontrollierten Hype-Spaces. Eine Trigger-Warnung wäre wohl auch hier angebracht, denn die Fortschritte sind langsam. Für jedes der 15 Elemente, die für den "U-Space" erforderlich sind, geben nur etwa 20 Prozent der Staaten an, dass sie bereit sind. Etwa die Hälfte sagen zumindest, dass die Umsetzung anläuft.

Drei Optionen für die Zukunft im Luftverkehr

Fliegende Taxis mögen die Zukunft sein, aber der Dienstag brachte uns mit einer Beule zurück ins "New Normal" von heute. Ich bin der Ansicht, dass es derzeit drei Optionen für die Luftfahrtbranche gibt (im Aviation Intelligence Reporter haben wir sie diesem Monat ausführlich besprochen). Es gibt ein Modell der unendlichen Staatshilfen, eine Option in Richtung öffentlicher Daseinsvorsorge und ein ganz anderes, sehr umstrukturiertes Modell.

Als allgemeiner Hinweis sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Fluggesellschaften wohl mehr als glücklich darüber wären, für immer gerettet zu werden. Leider muss die Staatsknete, die den Airlines als Eigenkapital oder Darlehen gegeben wird, aber irgendwann zurückgezahlt werden. Das ist natürlich weniger attraktiv als das Gerede dieser Woche, wonach die Staaten für die Corona-Tests der Flugpassagiere zahlen sollten. Rechnen wir nach: Selbst bei den optimistischen Kosten, die die Iata mit zehn Dollar pro Test ansetzt, kann man erahnen, wie schnell sich das summieren würde - selbst wenn nur eine Million Passagiere pro Tag fliegen wollen. Da wäre es wohl billiger, einfach einen Tunnel unter dem Atlantik hindurch zu bauen. Dennoch muss man die Unverschämtheit schon fast bewundern... so dreist muss man erst mal sein, diesen Hütchenspieler-Trick zumindest zu versuchen.

Über den Autor

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Andrew Charlton ist der Geschäftsführer von Aviation Advocacy, einer auf den Luftverkehr fokussierten Strategie- und Regierungsberatung mit Sitz in der Schweiz. Andrew ist zudem Herausgeber des "Aviation Intelligence Reporter", der einen zunehmend einflussreichen und unerschütterlich unabhängigen Blick auf die Luftfahrt bietet, immer durchdacht und nie einseitig.

Das zweite Modell, das von stark regulierten Versorgungsunternehmen, ist für viele in der Branche nicht attraktiv, auch wenn einige nüchternere Beobachter es als unvermeidlich ansehen. Man sollte aber nicht überrascht sein, dass genau dieses Modell für die Regulierungsbehörden attraktiv ist. Und genau aufs Stichwort kamen sie dann auch, diese Fußsoldaten der Regulierung, die Mitglieder des Europäischen Parlaments. Als Erste betrat die niederländische Europaabgeordnete Vera Tax die Bühne und erkundigte sich, wunderbar passend zu ihrem Nachnamen, was die Kommission nun unternehme, um europaweit geregelte, faire Preise fürs Fliegen einzuführen. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Kommission das abwiegelte. Aber die Forderung wird immer und immer wiederkommen.

Von: Andrew Charlton Jetzt Gastautor werden

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