Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat die geplante Absenkung der Luftverkehrsteuer als notwendigen, aber unzureichenden ersten Schritt bewertet. In einer Stellungnahme zur Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags am Montag forderte der Verband weitere Entlastungen, um die Wettbewerbsnachteile des Standorts Deutschland gegenüber europäischen Ländern auszugleichen.
Das Sitzplatzangebot der deutschen Luftfahrt erreichte 2025 laut BDL-Angaben lediglich 89 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Der europäische Durchschnitt liegt im Sommer 2026 bei 111 Prozent – ohne Deutschland sogar bei 116 Prozent.
Die Passagierzahlen des deutschen Luftverkehrs befinden sich auf dem Niveau von 2015, der innerdeutsche Verkehr stagniert bei 50 Prozent gegenüber 2019.
Hohe Standortkosten als Ursache
Die staatlichen Standortkosten für den Luftverkehr ab Deutschland stiegen 2025 um mehr als eine Milliarde Euro auf rund 4,3 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie 2019. Ein Abflug ab Stuttgart oder Düsseldorf kostet nach BDL-Angaben etwa siebenmal mehr als ab Madrid, Prag oder Istanbul.
Im Punkt-zu-Punkt-Verkehr wurden 2019 noch 190 Flugzeuge in Deutschland stationiert, heute sind es noch 130. Der Verband beziffert den damit verbundenen Verlust auf mehr als 7000 Arbeitsplätze und rund vier Milliarden Euro Wertschöpfung jährlich.
BDL fordert Entlastung um zwei Milliarden Euro
Die geplante Steuersenkung ab Juli 2026 entlastet die Branche laut BDL um rund 350 Millionen Euro – zusammen mit weiteren angekündigten Maßnahmen könnten im optimalen Fall 20 bis 30 Prozent der nach Verbandsrechnung notwendigen Gesamtentlastung von zwei Milliarden Euro erreicht werden.
Der BDL fordert darüber hinaus eine anteilige Übernahme der Luftsicherheitskosten durch den Bund, die Übernahme der Basiskosten der Flugsicherung als Teil der Daseinsvorsorge sowie die Wiederbelebung des ETS-Absenkungsmechanismus im Luftverkehrsteuergesetz.
Der Verband spricht sich langfristig für eine vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer aus, die er als aufkommensneutral bewertet: Die Rückkehr von 60 Flugzeugen brächte nach BDL-Berechnungen über vier Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und rund 1,6 Milliarden Euro an direkten Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.