Der Finanzinvestor Bain Capital erwartet, dass Beimischungspflichten in mehreren Ländern das langfristige Wachstum bei nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) antreiben. In den kommenden Jahren werde auch China den Einsatz von SAF vorschreiben, sagte Bain-Partner James Tam in einem Interview. Tam ist zugleich Co-Vorsitzender des SAF-Herstellers Ecoceres, bei dem Bain Capital zu den Großaktionären zählt.
Der Sektor stehe mit der Ausbreitung der Vorgaben für Airlines zur Senkung ihrer CO2-Emissionen von Europa nach Asien am Beginn einer Expansion über mehrere Jahrzehnte, sagte Tam.
"SAF ist fast die einzige kommerziell verfügbare Lösung, um die Luftfahrt zu dekarbonisieren", sagte er. Wasserstoff- oder Elektroflugzeuge für die Langstrecke werde es auf absehbare Zeit nicht geben.
Die Aussagen fallen in eine Phase, in der Ecoceres einen Börsengang in Hongkong vorbereitet. Berichten zufolge könnte er eine Milliarde US-Dollar (rund 890 Millionen Euro) einbringen. Tam wollte sich zu Details nicht äußern. Der Börsengang wäre ein wichtiger Test dafür, wie groß das Interesse der Anleger an reinen SAF-Herstellern an den öffentlichen Märkten ist. Ecoceres ist nach Kapazität der zweitgrößte SAF-Produzent der Welt.
Hongkong setzt Ziele, China lässt Vorgaben offen
Die Aufnahme von SAF in den 15. Fünfjahresplan Chinas deute darauf hin, dass im Land Beimischungspflichten bevorstünden, sagte Tam. Konkrete Zielvorgaben stehen noch aus. Der Plan für die Jahre 2026 bis 2030 wurde im März verabschiedet. Er führt SAF unter den zu entwickelnden Kraftstoffen auf, enthält aber keine Vorgaben für die Luftfahrt.
Hongkongs erster Fünfjahresplan, der im September veröffentlicht wurde, sieht dagegen vor, dass SAF 2030 ein bis drei Prozent des Treibstoffs für abfliegende Flüge ausmacht. Der Plan unterstützt zudem den Aufbau einer SAF-Produktion in Dongguan in der Provinz Guangdong. Dort plant Ecoceres eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 450.000 Tonnen, die bis 2030 in Betrieb gehen soll. Sie soll die Flughäfen in Hongkong, Shenzhen und Guangzhou versorgen.
Der Zeitplan stehe fest, sagte Tam. Die berichtete Investition von 10 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) beziehe sich auf einen zehnjährigen Ausbau. Die Raffinerie selbst koste deutlich weniger.
Das obere Ende des Hongkonger Ziels würde nach Tams Angaben fast die Hälfte der Produktion der Anlage beanspruchen. Ein Überschuss könne nach Europa exportiert werden. Dort schreibt die EU bis 2030 einen SAF-Anteil von sechs Prozent vor.
Ecoceres setzt auf eigene Technologie und Abfallstoffe
Anders als einige Wettbewerber besitze Ecoceres die gesamte Technologie selbst und sei nicht auf externe Lizenzgeber oder Katalysatorlieferanten angewiesen, sagte Tam. Das verschaffe dem Unternehmen einen Kostenvorteil. Zu den Produktionskosten wollte er sich nicht äußern.
Als Rohstoffe verwendet Ecoceres ausschließlich Abfallstoffe. Dazu zählt Altspeiseöl aus 500.000 Restaurants in China, dessen Herkunft sich bis zu jedem einzelnen Betrieb zurückverfolgen lässt. Für Airlines ist das ein wichtiges Verkaufsargument.
Bain Capital hatte 2022 mehr als 700 Millionen US-Dollar in Ecoceres investiert. Nach Angaben von Tam war das Unternehmen damals nach dem finnischen Konzern Neste das zweite, das die SAF-Produktion kommerzialisierte.
Ecoceres beliefert unter anderem Qantas, Air France, British Airways und Cathay Pacific. Die kombinierte Kapazität für erneuerbare Kraftstoffe liegt bei rund 770.000 Tonnen pro Jahr. Sie verteilt sich auf Werke im ostchinesischen Zhangjiagang und im malaysischen Johor.
Die SAF-Branche kämpft mit schwacher Nachfrage und hohen freien Produktionskapazitäten, weil Airlines die hohen Aufpreise scheuen. Der Branchenverband IATA schätzte im Juni, dass 2026 weltweit rund 2,4 Millionen Tonnen SAF produziert werden. Das entspreche lediglich 0,8 Prozent der globalen Nachfrage nach Flugkraftstoff und zeige eine Verlangsamung des Wachstums. Die Produktionskapazität soll dagegen mehr als neun Millionen Tonnen erreichen.