Einem Bericht der Zeitung "Merkur" zufolge gibt es bei der Deutschen Bahn Überlegungen, bereits kurzfristig einen ICE bis zum Flughafen München zu führen – und zwar auf einem Weg, den kaum jemand auf dem Zettel hatte: Statt einer neuen Fernbahntrasse soll der ICE einfach die bereits vorhandenen Gleise der S-Bahn-Linie S8 nutzen.
Den angeblichen Planungen zufolge würden die Züge am Münchner Hauptbahnhof die Fahrtrichtung wechseln, über den Südring zum Ostbahnhof fahren und von dort auf der S8-Strecke weiter zum unterirdischen Flughafenbahnhof rollen. Konkret soll es um eine Verlängerung der ICE-Linie 60 gehen, die derzeit auf der Strecke (Basel–)Karlsruhe–Stuttgart–Augsburg–München verkehrt.
Im Eisenbahnforum "Drehscheibe-online.de" werden laut Zeitung entsprechende Überlegungen diskutiert. Dort ist auch zu lesen, dass Lokführer bereits nach ihrer Bereitschaft zur Streckenausbildung befragt worden seien. Geplant sei der Einsatz des "ICE 3 neo", dessen Länge von 200 Metern mit den Bahnsteigmaßen am Flughafenbahnhof kompatibel ist.
Die Bahn selbst hält sich dem Blatt gegenüber bedeckt und spricht von "Gerüchten". Als möglicher Startzeitpunkt wird bereits der Juli 2026 genannt.
Erhebliche Hürden – auch auf der Trasse selbst
Der Plan steht vor mehreren ungeklärten technischen Fragen. Dem Bericht zufolge verfügt der "ICE 3 neo" derzeit nicht über die erforderliche Zulassung für den Flughafentunnel sowie für die S-Bahn-Tunnel im Bereich Unterföhring und Ismaning.
Hinzu kommt ein grundsätzliches betriebliches Problem: Die S8-Trasse wird bereits heute in engem Takt gefahren. Die Linie ist nicht für ihre Betriebsstabilität bekannt – Verspätungen und Störungen treten regelmäßig auf.
Jahrzehnte ohne Fernbahnanschluss
Dass der Flughafen München keinen Fernbahnhof besitzt, gilt seit der Airport-Eröffnung 1992 als Wettbewerbsnachteil gegenüber Frankfurt. Bereits in den 1980er Jahren war ein entsprechender Anschluss geplant, wurde aber nie realisiert.
Neuen Schwung bekam das Thema zuletzt im Sommer 2022, als der "Spiegel" über weitreichende Ausbaupläne berichtete: eine neue Schnellfahrstrecke zwischen München und Ingolstadt, ein Abzweig ins Erdinger Moos und ein eigener ICE-tauglicher Bahnhof unterhalb des bestehenden Flughafenbahnhofs – Kostenschätzung: rund fünf Milliarden Euro.
Im Februar 2023 bremste die damalige Bundesregierung diese Pläne jedoch aus. Das Bundesverkehrsministerium sah keine "Rechtsgrundlage" für eine kurzfristige Aufnahme der Strecke in den Bundesverkehrswegeplan. Flughafen-Vorstandschef Jost Lammers bezeichnete die Absage als "völlig unverständlich".
Bei der Eröffnung der Terminal-1-Erweiterung im April 2026 erhielt die Debatte erneut Auftrieb. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigte an, zunächst die Regional- und S-Bahn-Anbindung zu verbessern und darüber hinaus ein Fernbahnhof-Konzept zu prüfen. "Es wird geprüft, die Fernverkehrsanbindung des Flughafens weitgehend zu berücksichtigen", sagte Schnieder. Ein Ergebnis soll noch im Sommer vorliegen.