Die brasilianische Fluggesellschaft Azul plant im dritten Quartal eine weitere Kapazitätskürzung von rund vier Prozent. Das kündigte Vorstandsvorsitzender John Rodgerson am Donnerstag an. Vom vierten Quartal an soll die Kapazität wieder wachsen, sobald die Umstellung auf eine Großraumflugzeugflotte abgeschlossen ist.
Bereits im zweiten Quartal hatte Azul die Kapazität um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gekürzt, im internationalen Geschäft sogar um 24,9 Prozent. Grund waren die durch den Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran gestörten Öllieferungen, die die Treibstoffpreise deutlich steigen ließen.
"Der Höhepunkt der Treibstoffkrise lag im zweiten Quartal, das zugleich traditionell das schwächste Quartal des Jahres ist", sagte Rodgerson. "Wir haben das getan, was wir für richtig hielten: die Kapazität gekürzt."
Azul, nach Zahl der angeflogenen Städte die größte Fluggesellschaft Brasiliens, wies für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 4,98 Milliarden Real (960 Millionen US-Dollar) aus, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis brach dagegen um 55,4 Prozent auf 510,1 Millionen Real ein, weil die Treibstoffkosten je Liter um 61,8 Prozent zulegten. Höhere Ticketpreise glichen einen Teil des Kostenanstiegs aus.
Konzern nach Gläubigerschutz auf Profitabilität ausgerichtet
Azul hatte im Februar ein neunmonatiges Gläubigerschutzverfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts abgeschlossen. Der Konzern hat seither zugesagt, den Fokus von Expansion auf Profitabilität und operative Umsetzung zu verlegen.
Rodgerson zeigte sich trotz der Belastungen zuversichtlich für den brasilianischen Luftfahrtmarkt und verwies auf eine robuste Nachfrage. "Die Rahmenbedingungen in Brasilien sind derzeit sehr gut, und wir glauben, dass wir gut positioniert sind", sagte er. "Kriege und Krisen dauern nicht ewig."