Der Finanzinvestor Attestor übernimmt auch die restlichen 49 Prozent an Condor. Die Anteile liegen bislang bei der "SG Luftfahrt GmbH", die sie für Bund und Land Hessen verwaltet. Attestor habe dafür eine Kaufoption genutzt, die schon bei seinem Einstieg 2021 festgeschrieben worden sei, teilte Condor am Freitag mit. Das Closing ist für den 31. August 2027 vorgesehen.
Einen Kaufpreis nannte die Airline nicht. Warum zwischen der Ausübung der Option und dem Vollzug knapp ein Jahr liegt, geht aus der Mitteilung ebenfalls nicht hervor.
Für die Steuerzahler geht es dabei um 225 Millionen Euro. Wie viel davon an den Staat zurückfließt, hängt nach den 2021 getroffenen Vereinbarungen von einem Verkaufserlös oder einer Unternehmensbewertung durch Wirtschaftsprüfer ab.
Ausübbar wurde die Option, nachdem Condor die staatlich besicherten Kredite im Frühjahr vorzeitig getilgt hatte. Den verbliebenen KfW-Kredit über 175 Millionen Euro hatte Condor nach Angaben von Vorstandschef Peter Gerber bereits im April vollständig und sechs Monate vor Fristablauf zurückgezahlt. Fällig gewesen wäre er am 30. September.
Staatskredit vor Fristablauf getilgt
2021 war Attestor mit 51 Prozent bei Condor eingestiegen, davon zwei Prozent über einen Treuhänder. Dass Attestor nun auch den Rest der Condor erwirbt, war ursprünglich nicht der Plan.
Attestor hatte im November 2025 über die Investmentbank Barclays die Suche nach einem strategischen Partner für die Holding eingeleitet, zu der neben Condor auch die estnische Schwester Marabu gehört. Ein anderer Investor hat sich bislang aber nicht gefunden. Ob die Partnersuche weiterläuft, lässt die Mitteilung offen.
Ungeklärt ist öffentlich auch, wie sich die vollständige Übernahme durch den britischen Investor mit den EU-Vorgaben zu "Ownership and Control" von Fluggesellschaften verträgt. Dazu äußerte sich Condor ebenfalls nicht.
Condor zufolge beendet der Schritt einen ungewöhnlichen Abschnitt der Unternehmensgeschichte. Bund und Land Hessen hätten die Airline nach der Pleite des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook und in der Corona-Pandemie gestützt, obwohl sie die Krise nicht selbst verursacht habe. Inzwischen habe Condor die Langstreckenflotte erneuert und wachse auf der Kurz- und Mittelstrecke. Zudem baue die Airline ihr Netz innerdeutscher und europäischer Städteverbindungen weiter aus, das Umsteiger zum Drehkreuz Frankfurt bringt.
Sparprogramm und Verluste
Wirtschaftlich steht Condor derweil stark unter Druck. Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg das operative Ergebnis (Ebit) zwar auf 151 Millionen Euro. Unter dem Strich wies die Airline aber einen Verlust von 110,4 Millionen Euro nach IFRS aus, nach HGB waren es 167,7 Millionen Euro.
Vor einer Woche teilten die Gewerkschaften Ufo und Verdi mit, dass Condor bis Oktober 2028 200 Millionen Euro einsparen muss. Ohne diese Einsparungen werde Attestor das geplante weitere Wachstum nicht mittragen, erklärten die Gewerkschaften.