Europairs hat die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Luftverkehr überprüft. Dabei sind vor allem im Rahmen der Corona-Pandemie interessante Zahlen ausgewertet worden, wie aus einer Analyse hervorgeht.
Besonders signifikant ist die Entwicklung der Zahlen der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Servicekräfte – hierzu gehört auch das Kabinenpersonal. Hier habe die Zahl zwischen Dezember 2019 und März 2022 kontinuierlich um bis zu 24 Prozent verringert. In Zahlen bedeutet dies eine Abnahme von über 10.000 Angestellten von etwa 43.000.
Im Anschluss daran habe aber zwischen März 2022 und Dezember 2023 die Zahl der Neueinstellungen beim Servicepersonal lediglich um 6,5 Prozent zugenommen.
Anders sieht das beim anderen Teil des fliegenden Personals aus. Airlines haben Piloten deutlich weniger gekündigt und konnten diese deutlich erfolgreicher halten. Noch entspannter sieht die Lage bei den Technikern aus.
Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Servicekräfte in Deutschland zwischen Dezember 2019 und 2023. © BAA / Berufsgruppe Gruppe 5142
Hier hatte sich die Zahl der Beschäftigten im Rahmen der Corona-Pandemie um maximal 5,1 Prozent verringert. Seit Ende 2022 sei die Zahl der angestellten Techniker jedoch wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie – seit Dezember 2023 liege diese Zahl bereits knapp elf Prozent über dem Vorkrisenniveau.
Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Luft- und Raumfahrttechniker zwischen Dezember 2019 und 2023. © BAA / Berufsgruppe 2523
Arbeitsmarkt für Piloten besonders schwierig
Während Piloten zwar während der Pandemie bei den Airlines deutlich weniger gekündigt wurden, so gestaltet sich laut Europairs vor allem der Arbeitsmarkt heute besonders schwierig.
Typisch sei hier, dass offene Stellen der Agentur für Arbeit seltener bekannt sind. Ende September waren 318 Piloten arbeitssuchend gemeldet – davon 209 bereits arbeitslos. Dem gegenüber standen jedoch lediglich zehn offene Stellen.
Zwar suchen viele Fluggesellschaften derzeit Piloten, das jedoch meistens im Ausland. Dort ist auch ein Großteil der deutschen Piloten angestellt, was ebenfalls dazu beitrage, dass die Zahlen verfälscht würden.
Viele der in Deutschland beschäftigten Piloten, unter anderem bei Eurowings, Ryanair und ihrer Tochter Malta Air, sind auf Malta registriert. Laut Europairs dürfte diese Zahl jedoch maximal 419 der in Deutschland fehlenden Stellen seit der Corona-Pandemie entsprechen.
Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Verkehrspiloten in Deutschland zwischen Dezember 2019 und 2023. © BAA / Berufsgruppe Gruppe 5231
Vielmehr sieht das Beratungsunternehmen für Fluggesellschaften eine erhebliche Dunkelziffer arbeitssuchender Piloten, die zumeist frisch aus der Ausbildung gekommen sind. Diese Zahlen seien der Agentur für Arbeit jedoch nicht bekannt, da sich diese Piloten mangels Anspruch auf Arbeitslosengeld dort nicht melden würden.
Während die Zahl der Verkehrspiloten aus Dezember 2023 der Tendenz der ausgeflotteten Verkehrsflugzeuge entspricht, entwickelte sich die Zahl der ausgebildeten Verkehrspiloten antizyklisch, wie Europairs feststellte.
Auswirkungen des Luftverkehrs in Deutschland
Inwiefern sich die derzeitige Entwicklung des Luftverkehrs, besonders in Deutschland, auf die Zahlen der Beschäftigten auswirkt, bleibt laut Europairs vorerst offen.
Derzeit beschweren sich Airlines und Branchenverbände besonders über die derzeitige Kostenentwicklung am deutschen Luftverkehrsstandort. Die Folge: Airlines reduzieren ihr Angebot in Deutschland, wie vor allem zuletzt Condor, Eurowings und Ryanair in Hamburg.
Zudem können Airlines derzeit nicht so stark expandieren, wie sie es eigentlich planen. Das liegt besonders am Flugzeugmangel. Während Boeing mit Produktionskapazitäten zu tun hat, sind es vor allem Wartungsarbeiten, die Airbus-Flugzeuge betreffen.