American Airlines hat in ihren Langstreckenjets vom Typ Boeing 777-300ER das Angebot an Premium-Sitzen ausgebaut und im Gegenzug die klassische First Class abgeschafft. Der erste umgerüstete Jet ging am Mittwoch mit einem Flug von New York nach Buenos Aires in den Liniendienst. Bis 2027 will die Fluggesellschaft alle 20 Maschinen dieses Typs modernisiert haben.
Die überarbeitete Kabine bietet 144 Plätze in den Premium-Klassen. Das sind 28 mehr als bisher. Der Anteil an der Gesamtkapazität steigt damit von 38 auf 44 Prozent. Dazu zählen 70 Business-Class-Sitze der Kategorie Flagship Suite mit eigener Tür, 44 Plätze der Premium Economy sowie 30 Sitze der Komfort-Economy-Kategorie Main Cabin Extra.
Bislang bot die Boeing 777-300ER 52 Business-Class-Sitze und acht Plätze der obersten internationalen Kategorie Flagship First. Diese wird im Zuge der Umrüstung komplett gestrichen. Ab dem 19. November verkauft American Airlines auf Flügen mit der 777-300ER keine Flagship-First-Tickets mehr. Unter den drei großen amerikanischen Netzwerk-Airlines war American Airlines bislang die einzige, die noch eine eigene internationale First Class anbot.
Delta seit 1998 ohne First Class
Delta Air Lines hatte ihre internationalen Kabinen für First und Business Class bereits Ende 1998 zusammengelegt. United Airlines verkaufte ab 2018 keine internationale First Class mehr und stellte ihre Langstreckenflotte auf die Business-Class-Marke Polaris um.
American Airlines hatte 2022 angekündigt, die internationale First Class auslaufen zu lassen. Als Begründung nannte die Airline eine zu geringe Nachfrage nach dem Produkt sowie den Umstand, dass sich mit dem gewonnenen Platz mehr Business-Class-Sitze anbieten ließen, für die Reisende eher zahlungsbereit seien.
Mit der Umrüstung setzt American Airlines ihre Premium-Strategie fort, mit der sie den Gewinnabstand zu Delta Air Lines und United Airlines verringern will. Nach eigenen Angaben stammte im zweiten Quartal beinahe die Hälfte der Ticketerlöse von Premium-Reisenden, die aber nur rund 30 Prozent der Sitzplätze belegten.
American Airlines kündigte im August zudem an, den Anteil an Premium-Sitzen auf Kurz- und Mittelstreckenflügen mit Schmalrumpfjets in den kommenden Jahren von aktuell rund 25 auf etwa 40 Prozent zu erhöhen.
Premium-Trend erfasst auch Billigflieger
Der Vorstoß von American Airlines reiht sich in einen branchenweiten Trend ein. Bei mehreren großen US-Airlines wachsen die Erlöse aus hochpreisigen Angeboten schneller als jene aus preissensiblen Segmenten.
Der Wandel erreicht inzwischen auch Fluggesellschaften, die traditionell auf niedrige Tarife setzen: Southwest Airlines prüft Angebote, die bislang Netzwerk-Airlines vorbehalten waren, darunter Flughafen-Lounges, Transatlantik-Flüge sowie mehr Premium-Sitze. Frontier Airlines führt Sitze im Stil der First Class ein, während Jetblue Airways ihr Premium-Angebot um Flughafen-Lounges erweitert.
Die Boeing 777-300ER von American Airlines fliegt Langstrecken unter anderem nach London, Tokio, São Paulo, Buenos Aires und Sydney. Die umgerüsteten Maschinen erhalten zudem ein neues Unterhaltungssystem an Bord. Mitglieder des Vielfliegerprogramms "AAdvantage" sollen künftig kostenloses schnelles Wlan erhalten.