Fluggesellschaften bereiten sich nach Einschätzung des Lufthansa Innovation Hub zu langsam darauf vor, dass Reisende Flüge künftig über KI-Assistenten suchen und buchen. Während Technologiekonzerne bereits Schnittstellen für sogenannte KI-Agenten aufbauen, sind die meisten Airline-Websites für diese Systeme nur schwer lesbar, wie die Innovationseinheit der Lufthansa Group in ihrem aktuellen Newsletter schreibt.
In einer Untersuchung riefen drei große Sprachmodelle bei der Flugsuche in zehn europäischen Märkten nur in rund fünf Prozent der Fälle direkt Airline-Websites auf, so der Strategie-Thinktank. Online-Reisebüros erschienen deutlich häufiger, weil sie ihre Daten maschinenlesbarer bereitstellen.
Airlines sollten die New Distribution Capability (NDC) und den Vertrieb über KI-Agenten nicht getrennt, sondern parallel entwickeln, schlussfolgert Lufthansa Innovation Hub. Die Oberfläche, über die Reisende ihre Suche beginnen, gehöre ihnen dann zwar nicht mehr, Angebot und Buchung könnten sie aber weiterhin selbst kontrollieren.
Die Nachfrage in Chat-Systemen sei definitiv vorhanden. Nach Angaben von Adobe stiegen die Besuche aus KI-Quellen auf Reise-Websites im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 119 Prozent, im Einzelhandel lag das Plus bei 62 Prozent.
Hotelketten und Technologiekonzerne sind weiter
Als Beispiel für die Verknüpfung von NDC und KI-Agenten nennt der Innovation Hub den Reisetechnologieanbieter Sabre. Dessen Server auf Basis des Model Context Protocol (MCP) erlaubt es KI-Agenten, strukturierte Airline-Angebote zu durchsuchen, zu buchen und zunehmend auch nachträglich zu bearbeiten.
Hotelkonzerne wie Accor, Marriott, Radisson und Wyndham haben eigene Anwendungen in KI-Assistenten gestartet, übergeben die Kunden zum Abschluss aber meist an die eigene Website.
Ansonsten treiben laut Innovation Hub vor allem Technologiekonzerne woe Google und Meta die Entwicklung voran. In den USA ließen sich seit Ende August Hotels direkt im AI Mode von Google buchen. Metas Agent Muse bucht Flüge derweil über die Schnittstelle von Duffel oder steuert die Airline-Websites selbst an.
Eine durchgehende Flugbuchung im Dialog bietet nach Einschätzung des Innovation Hub bislang einzig das Start-up Mindtrip. In einem Test lieferte das System neun Sekunden nach einer Anfrage für ein Oktoberwochenende von Berlin nach Lissabon passende Empfehlungen. Bis zur Zahlung vergingen weniger als fünf Minuten.
Die meisten Airlines sind laut Innovation Hub noch passiv. Aber es gibt Ausnahmen: Virgin Atlantic startete im April als erste Fluggesellschaft eine App in ChatGPT. Die Lufthansa Group hatte im Januar neun Airlines auf die Offer-and-Order-Plattform Nevio von Amadeus festgelegt, Finnair hatte darüber als erste Airline eine vollständig auf Offer and Order basierende NDC-Lösung umgesetzt.
Der Innovation Hub rät Airlines, eine eigene Zugangsschicht etwa auf Basis von MCP aufzubauen, über die KI-Agenten direkt auf Tarifregeln, Verfügbarkeiten und Sitzpläne zugreifen. Zudem brauche es Regeln, welche Agenten zugelassen seien und welche Schritte eine Zustimmung der Kunden erforderten.