Airbus hat bei der Entwicklung seines kleinsten Langstreckenjets A321 XLR eine wichtige Hürde genommen. Um 11.05 Uhr hob das Testflugzeug mit der Seriennummer MSN 11000 am Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder zu seinem ersten Flug ab. Nach rund viereinhalb Stunden landete die Maschine um 15.40 Uhr wieder in Finkenwerder, wie ein Airbus-Sprecher am Mittwochnachmittag mitteilte. Der Testflug führte über Norddeutschland sowie Teile von Nord- und Ostsee, wie aus Daten des Portals "Flightradar 24" hervorgeht.
Bei dem Flugzeug handelt es sich um die neue Langstreckenversion des Mittelstreckenjets A321 Neo. "XLR" steht für "Extra Long Range". Mit dem Modell sollen sich auch solche Langstreckenflüge rechnen, auf denen die Ticketnachfrage für die sonst eingesetzten Großraumjets nicht ausreicht. Konkurrent Boeing aus den USA hat kein Modell mit einer ähnlichen Kapazität und Reichweite im Angebot.
Der Airbus-Jet soll dank eines zusätzlichen Treibstofftanks im Rumpf hinter den Tragflächen und eines optionalen weiteren Tanks auf eine Reichweite von bis zu 8700 Kilometern kommen. Damit kann die Maschine etwa Strecken über den Atlantik ohne Zwischenstopp bewältigen. In einer typischen Zwei-Klassen-Konfiguration soll sie Platz für 180 bis 220 Passagiere bieten.
Auslieferung verschoben
Airbus-Chef Guillaume Faury hatte den Jungfernflug der A321 XLR zuletzt bis Jahresmitte in Aussicht gestellt. Allerdings verschob er die Auslieferung der ersten Maschine von Ende 2023 auf Anfang 2024. Hintergrund sind Schwierigkeiten bei der Zulassung. Dabei geht es Insidern zufolge um den Brandschutz zwischen dem zusätzlichen Tank und der Kabine.
Die europäische Luftfahrtbehörde Easa hatte diesen Punkt bereits früher bemängelt. Airbus steht vor der Herausforderung, das Flugzeug mit einem verbesserten Brandschutz nicht schwerer zu machen. Denn ein höheres Gewicht könnte die Reichweite verringern.
A321 XLR als Konkurrenzmodell zur Boeing 757
Airbus wirbt damit, dass die A321XLR je Passagier und Kilometer rund 30 Prozent weniger Treibstoff verbraucht als ein vergleichbares Konkurrenzmodell der Vorgänger-Generation. Der Blick richtet sich dabei auf die Boeing 757, von der in den Jahren 1982 bis 2005 mehr als 1000 Maschinen ausgeliefert wurden. Dann stellte Boeing die Produktion ein.
In Deutschland ist das Modell 757 in der ab den späten 1990er Jahren gebauten Langversion noch beim Ferienflieger Condor im Einsatz.
Ein Nachfolger von Boeing ist trotz zwischenzeitlicher Überlegungen bisher nicht vorgesehen. Der US-Konzern hatte zwar wiederholt die Entwicklung eines entsprechenden Modells in Aussicht gestellt. Der Jet mit dem Projektnamen New Midsize Airplane (NMA) trug inoffiziell bereits den Namen Boeing 797. Nachdem Boeing im Jahr 2019 nach zwei tödlichen Abstürzen seines Mittelstreckenjets 737 Max und weltweiten Flugverboten in eine schwere Krise geraten war, stoppte das Management jedoch die Entwicklung des NMA.