Air New Zealand will Lieferungen von Boeing-787-Maschinen verschieben, zusätzliche Kosten einsparen und sich verstärkt auf zahlungskräftige Touristen ausrichten. Mit diesem strategischen Neustart soll die verlustreiche Fluggesellschaft innerhalb der nächsten zwei Jahre wieder profitabel werden, wie die scheidende Finanzchefin Richard Thomson bei einem Investorengespräch mitteilte.
Die verspätete Auslieferung zweier 787 aufgrund von Fertigungsproblemen habe das Investitionsprofil im morgen beginnenden Geschäftsjahr zu stark belastet. Die beiden Maschinen waren ursprünglich für das am 30. Juni endende Geschäftsjahr vorgesehen.
Wegen der Verzögerungen arbeite die Airline nun mit Boeing zusammen, um weitere Lieferungen zu verschieben, sagte Thomson. Boeing wollte sich dazu nicht äußern und verwies an Air New Zealand. Die Fluggesellschaft hat insgesamt zehn 787 bestellt.
Größter Vorsteuerverlust seit vier Jahren erwartet
Air New Zealand kämpft zudem mit erhöhten Treibstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts, was zusätzlichen Druck auf das Unternehmen ausübt. Im Mai hatte die Airline ihren größten Vorsteuerverlust seit vier Jahren prognostiziert und zwei Runden von Preiserhöhungen verhängt.
Für das Geschäftsjahr 2026 bleibt die Verlustprognose von 340 bis 390 Millionen neuseeländischen Dollar (rund 175 bis 201 Millionen Euro) vor Steuern unverändert. Laut Schätzungen des Datendienstleisters LSEG erwarten Analysten erst im Geschäftsjahr 2028 wieder einen Vorsteuergewinn.
Auf die Frage, ob die Fluggesellschaft im Geschäftsjahr 2027 in die Gewinnzone zurückkehren könne, sagte Thomson: "Ich sehe das Geschäftsjahr 2027 als Übergangsjahr."
Air New Zealand plant, im Geschäftsjahr 2027 rund 100 Millionen neuseeländische Dollar einzusparen. CEO Nikhil Ravishankar sagte, die hohen Treibstoffpreise und insbesondere ein ungewöhnlicher Anstieg der Raffineriemargen infolge des Iran-Konflikts hätten "zusätzliche Volatilität und Unsicherheit" für den Ausblick der Airline gebracht.
Air New Zealand habe begonnen, die Raffineriemarge abzusichern – vor dem Konflikt unter Fluggesellschaften unüblich. Das Unternehmen sei für das erste Halbjahr zu 76 Prozent gegen Brent-Rohöl im hohen 70-Dollar-Bereich pro Barrel abgesichert sowie zu 20 Prozent gegen die Raffineriemarge bei 35 bis 40 Dollar pro Barrel.
Fokus auf Premium-Touristen
Ravishankar kündigte zudem an, künftig verstärkt einreisende Langstrecken-Urlauber anzusprechen, die Neuseeland als "Bucket-List"-Reiseziel wählen und Wert auf ein typisch neuseeländisches Erlebnis legen.
Diese Gäste könnten anschließend über das Inlands- und Regionalnetz der Airline weiterreisen, so der CEO. Finanzchef Thomson, der die Position seit Anfang 2021 innehat, wird zum 3. August von Kris Cudmore abgelöst, der bislang für Infrastruktur, Planung und Vertrieb bei Air New Zealand verantwortlich war.