Singapore Airlines will vor einer weiteren Kapitalspritze für Air India auf mehr Mitspracherecht im Management und auf strengere Kontrollrechte pochen. Das berichten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Über die geplanten Bedingungen werde noch mit Tata Sons, dem Mehrheitseigner der indischen Fluggesellschaft, verhandelt.
Zu den möglichen Bedingungen zählten mehr Stimmrechte im Verwaltungsrat sowie die Vorgabe, dass Air India ihre Verluste verringere, sagten die Personen. Temasek, Mehrheitsaktionär von Singapore Airlines, werde das Kapital weder selbst bereitstellen noch sich in operative Entscheidungen zu Air India einmischen, fügten sie hinzu.
Air India hatte zuletzt rund 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) an frischem Eigenkapital von ihren Eigentümern gefordert, wie im August bekannt geworden war.
Tata habe diesem Vorgang zufolge bereits 1,1 Milliarden US-Dollar zugesagt, was dem anteiligen Anteil des Konzerns entspreche, sagten zwei weitere Personen. Singapore Airlines halte die restlichen 25,1 Prozent an Air India. Alle vier Personen wollten wegen der Vertraulichkeit der Angelegenheit nicht namentlich genannt werden.
Singapore Airlines teilte mit, der Vorstand werde jede Anfrage nach zusätzlichem Kapital sorgfältig prüfen. Dabei würden die Geschäftsstrategie von Air India, der operative Cashflow des Konzerns und weitere Kapitalbedarfe berücksichtigt.
Temasek äußerte sich nicht zu "Spekulationen bezüglich der Punkte zu Temasek", wie es hieß. Tata Sons und Air India reagierten nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme.
Airbus A321 von Air India rollt in Dubai über das Vorfeld. : Das Bild zeigt ein Passagierflugzeug vom Typ Airbus A321 der Fluggesellschaft Air India. Die Maschine mit weißer Rumpflackierung und roten Akzenten rollt auf dem Vorfeld eines Flughafens in Dubai bei Tageslicht. Das Wetter ist klar und die Sicht auf die Rollbahnlinien und das Flugzeug ist deutlich. Die Beschriftung ‚Air India‘ ist gut sichtbar am Leitwerk. © AirTeamImages.com / Chris Goodwin
Druck durch hohe Verluste
Die Forderung nach schärferen Bedingungen spiegelt wachsenden Druck auf Singapore Airlines wider, das steigende Engagement bei Air India zu rechtfertigen. Air India verzeichnete im Geschäftsjahr, das im März endete, einen Verlust von 2,33 Milliarden US-Dollar, der unmittelbar auf das Ergebnis der Fluggesellschaft aus Singapur durchschlägt.
Singapore Airlines hatte bereits bei mehreren früheren Auslandsinvestitionen Geld verloren. Tata hatte im Juli erklärt, die Sanierung von Air India könne bis zu einem Jahrzehnt dauern. Air India berief mit Tewolde Gebremariam, zuvor Chef von Ethiopian Airlines, einen neuen Vorstandsvorsitzenden, der den früheren Singapore-Airlines-Manager Campbell Wilson ablöst.
Begrenzter Einfluss trotz hoher Beteiligung
Formal hat Singapore Airlines bislang nur begrenzten Einfluss auf Air India. Nach einer Vereinbarung von 2022, mit der die zu 49 Prozent gehaltene indische Fluggesellschaft Vistara in Air India aufging, erhielt Singapore Airlines lediglich einen Sitz im Verwaltungsrat, den Vorstandsvorsitzender Goh Choon Phong einnimmt.
Der Anteil von mehr als 25 Prozent gibt der Fluggesellschaft nach indischem Gesellschaftsrecht jedoch die Möglichkeit, wichtige Sonderbeschlüsse zu blockieren. Dazu zählen Fusionen, Aktienrückkäufe und eine freiwillige Abwicklung.
Kritik aus Singapur
Die Finanzierungsanfrage von Air India hatte in Singapur einen Oppositionsabgeordneten dazu veranlasst, zu fordern, dass Temasek-Mittel nicht zur Unterstützung der indischen Fluggesellschaft verwendet werden.
Singapore Airlines erklärte am Dienstag, ihre Indien-Investitionen seien und blieben aus eigenen Mitteln finanziert. Der Konzern verfügte demnach Ende Juni über liquide Mittel von 10,5 Milliarden Singapur-Dollar (rund 7,1 Milliarden Euro) sowie über nicht in Anspruch genommene Kreditlinien von 3,2 Milliarden Singapur-Dollar.
Rückendeckung von Temasek
Temasek hatte im August öffentlich Rückhalt für das Air-India-Engagement von Singapore Airlines signalisiert und dabei eine langfristige Perspektive betont. Der singapurische Senior Minister K. Shanmugam sagte am Samstag, die Entscheidung über eine Investition in Air India liege bei Singapore Airlines. Temasek erwarte von der Fluggesellschaft, dass sie ihre Investitionsentscheidungen verantwortungsvoll treffe.
Die Verantwortung für Sicherheitsmechanismen, Governance-Vorgaben und Leistungsziele bei einer möglichen weiteren Investition in Air India liege bei Singapore Airlines und nicht bei Temasek, sagte eine der Personen.
Die Strategie der Fluggesellschaft ziele darauf, vom langfristigen Wachstum der indischen Luftfahrt zu profitieren und zugleich die Risiken einer umfassenden Sanierung zu steuern, ergänzte die Person. Temasek habe in der Vergangenheit bereits ähnliche Wetten auf indische Unternehmen unterstützt.
Temasek hat sein Engagement in Indien über mehrere Branchen hinweg ausgebaut, darunter Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Konsumgüter und Technologie, und bezeichnet das Land als einen zentralen Wachstumsmarkt seines Portfolios.