Die kanadische Wettbewerbsbehörde Competition Bureau hat vor einer engeren Zusammenarbeit von Air Canada und United Airlines auf Strecken zwischen Kanada und den USA gewarnt. Der Vorschlag, der den beiden Fluggesellschaften eine Preiskoordinierung auf zehn Strecken erlauben würde, schwächt nach Einschätzung der Behörde wahrscheinlich den Wettbewerb.
Auf acht der zehn Strecken dürften die Ticketpreise steigen, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Den Passagieren entstünden dadurch jährlich Kosten in Millionenhöhe.
Da die beiden Carrier die Nonstop-Verbindungen auf mehreren dieser Strecken bereits dominierten, würde eine engere Kooperation ein wichtiges Korrektiv für die Ticketpreise beseitigen, warnte die Behörde. Reisenden blieben dann weniger Wahlmöglichkeiten. Air Canada und United "stellen derzeit den gesamten Nonstop-Passagierverkehr auf fünf der zehn Strecken und haben auf den übrigen erhebliche gemeinsame Marktanteile", hieß es in der Mitteilung.
Der Bericht soll in eine Prüfung des öffentlichen Interesses durch die kanadische Regierung einfließen. Die beiden Airlines hatten den Vorschlag im Juni bei den kanadischen Behörden eingereicht und die geplanten Änderungen Mitte Oktober öffentlich angekündigt. Nach Angaben der Wettbewerbsbehörde streben die beiden Partner aus der Star Alliance eine behördliche Genehmigung an, um ihre Zusammenarbeit auf zehn Strecken auszuweiten. Diese sind bislang durch eine Vereinbarung mit den Wettbewerbshütern aus dem Jahr 2012 beschränkt.
Airlines verweisen auf neue Verbindungen
United verwies auf Anfrage auf eine Mitteilung der Air Canada von Mitte Oktober, in der die Vorteile der Partnerschaft hervorgehoben werden. Darin erklärte Air Canada, die Partnerschaft spiele eine wichtige Rolle für die Anbindung von Gemeinden in ganz Kanada und den USA. Seit ihrem Start im Jahr 2022 seien 20 neue Strecken zwischen beiden Ländern entstanden. Mehr als 4,3 Millionen Passagiere seien gemeinsam mit United und Air Canada geflogen.
Die Fluggesellschaften kämpfen derzeit mit stark gestiegenen Treibstoffkosten und einer anhaltenden Flaute bei Reisen von Kanada in die USA. Das erhöht den Druck auf die Carrier, ihre Erlöse über höhere Ticketpreise abzusichern.
Der Freizeitreiseverkehr zwischen beiden Ländern hat sich vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Spannungen abgeschwächt. In den ersten neun Monaten lag die Zahl der Flugreisen von Kanadiern in die USA um 26 Prozent unter dem Niveau von 2024. Reisen in andere Länder nahmen dagegen um knapp elf Prozent zu. Das geht aus Daten der kanadischen Statistikbehörde Statistics Canada hervor, die der US-Airlineverband Airlines for America zitierte. Die Fluggesellschaften haben zudem ihre Kapazitäten zwischen Kanada und den USA reduziert.
